Explosive Eruption am Vulkan Calbuco in Südchile

Im Süden von Chile ist der Vulkan Calbuco ausgebrochen. Eine Eruptionssäule stieg von dem 2.000 m hohen Krater aus 15 km hoch in die Atmosphäre.

Artikel aktualisiert am 27.04.2015

Bislang hat Calbuco 0,21 km3 Tephra freigesetzt. Vom Volumen her entspricht das einem Vulkanexplosivitätsindex von 4. Beträchtliche Mengen pyroklastischen Lockermaterials bedecken nun die Hänge des Vulkans. Wenn Niederschläge fallen, kann es passieren, dass dieses Material unter Einwirkung des Wassers in Bewegung gerät und die Täler hinabfließt. Es entstünden sekundäre Lahare – vulkanische Massenströme aus Wasser und vulkanischem Lockergestein. Für die nächsten Tage sagt der Chilenische Meteorologische Dienst wechselhaftes Wetter für die Region um Calbuco vorher. Teils bedeckt, teils wolkig bis aufgelockert, aber auch Regenschauer. Unter Einbeziehung dieser Wetterprognosen hat der Chilenische Geologische Dienst Sernageomín eine Risikoanalyse durchgeführt und eine neue Gefährdungskarte erstellt. Aus dieser geht hervor, welche Gebiete potenziell von Laharen betroffen wären. Dabei ist der Sektor nordöstlich des Vulkans am meisten gefährdet.

Die Eruption selbst hat keine Menschenleben gefordert. Dadurch, dass die Verantwortlichen die Einschätzung der Situation fortlaufend an die aktuellen Entwicklungen anpassen, sind sie auch auf erwartbare Sekundärphänomene vorbereitet.

Hunderte von Erdbeben begleiten die Eruption

Das Chilenische Vulkanobservatorium der Südanden OVDAS hatte kurz vor der Eruption Warnsignale aufgefangen. Das Überwachungsnetzwerk am Vulkan Calbuco meldete Veränderungen in der seismischen Aktivität. Vom Typ her wiesen die Veränderungen darauf hin, dass durch Magmenströme in der Erde Krustengestein durchbrochen würde. Das erste stärkere Erdbeben ereignete sich auf der Westseite des Vulkans in 7,4 km Tiefe.

Hunderte von Erdbeben begleiteten dann die Eruptionssäule aus Asche und Gas, die sich über dem Hauptkrater Calbucos 15 km hoch in den Himmel hob. Die Wolke breitete sich hauptsächlich nach Norden und Osten aus. Das Kollabieren der Eruptionssäule führte zu pyroklastischen Strömen. Zunächst wurde ein Umfeld von 10 km um den Krater herum evakuiert und gesperrt. Nach dem zweiten, kräftigeren Puls der Eruption wurde das Sperrgebiet kurzzeitig auf einen Radius von 20 km erweitert. Obgleich die Eruption nach der zweiten Aktivitätsspitze abgeklungen ist, wird die vom Chilenischen Geologischen Dienst Sernageomin verhängte Alarmstufe rot vorerst beibehalten.

Calbuco ist ein Subduktionszonenvulkan, der durch das Abtauchen der Nazcaplatte unter die Südamerikanische Platte angetrieben wird. Über mehrere Eruptionsepisoden seit dem späten Pleistozän hat sich hier ein zerklüfteter Schichtvulkan (Stratovulkan) aufgebaut. Seine Serie historisch aufgezeichneter Eruptionen ist recht kurz, sie umfasst lediglich 120 Jahre. Im Gegensatz zum Villarrica, der hochfrequent kleinere Eruptionen produziert, tendierte Calbuco innerhalb dieser Zeit zu weniger häufigen, aber mittelgroßen Eruptionen. Mit Blick auf die zeitliche Verteilung früherer Eruptionen kommt dieser Ausbruch trotz Ruhe in den vergangenen 43 Jahren nicht unerwartet.
Das umliegende Land ist dicht besiedelt und touristisch gut besucht. Neben einer Reihe direkt benachbarter kleinerer Ortschaften sind Städte wir Puerto Montt und Puerto Varas lediglich 30 km entfernt.

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