Am Vulkan Villarrica im südlichen Chile stehen seit den frühen Morgenstunden die Signale auf Rot. Eine Aschewolke schoss knapp drei Kilometer in die Höhe, begleitet von stark gestiegener seismischer Aktivität. Der Chilenische Geologische Dienst "Sernageomin" rief die höchste Warnstufe aus. Nach Angaben des chilenischen Innenministeriums wurden weit über 3.000 Menschen vorsorglich in Sicherheit gebracht. Villarrica liegt rund 760 Kilometer südlich der Hauptstadt Santiago de Chile und in unmittelbarer Nähe der Städte Pucón und Villarrica. Die Gegend ist ein sehr populäres Reiseziel. Auf Grund der besonderen Lage wird der Vulkan permanent seitens des Vulkanobservatoriums der Süd-Anden (OVDAS) mit seismischen Geräten überwacht. Ergänzend werden Temperaturen gemessen, die diffuse Schwefelfreisetzung mit einem Fernerkundungsgerät erfasst und mit Webcams Deformationsprozesse beobachtet.

In der Nähe des Villarrica sind so genannte Mini-DOAS (differenzielle optische Absorptionsspektroskopie) installiert, die vom GEOMAR, Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung gemeinsam mit dem OVDAS regelmäßig gewartet werden. "DOAS" ist ein Verfahren mit dem sich Spuren chemischer Verbindungen in der Atmosphäre nachweisen lassen. "Die Geräte hatten in der Woche vor dem Ausbruch zunehmende Schwefel-Ausstöße verzeichnet. Auch angesichts unserer Auswertung der historischen Eruptionen war die neue Aktivität zu erwarten", erklärt Dr. Thor Hansteen, Vulkanologe am GEOMAR. "Dass wir dazu beitragen konnten, die Bevölkerung vor Ort zu schützen, ist eine besonders schöne Belohnung für unsere Arbeiten in der Region."

Villarrica gehört zu den aktivsten Vulkanen von ganz Südamerika. Er ist Teil des Pazifischen Feuerrings – der Subduktionszone, die den Pazifik umrahmt und an seinen Nahtstellen intensive vulkanische Aktivität hervorruft. Unter Villarrica sorgen Flüssigkeiten aus der aus Westen herannahenden Naczaplatte, die unter die Südamerikanische Platte abtaucht, für eine starke Magmenproduktion. Für den Aufstieg nutzen die Magmen bevorzugt Schwachstellen in der Erdkruste, so genannte Verwerfungen, als Wegsamkeiten. Villarrica befindet sich an einem Kreuzungspunkt von zwei sehr großen, tief in die Erde reichenden Verwerfungen. Über die vergangenen 120.000 Jahre ist hier ein heute 2.847 Meter hohes Vulkangebäude gewachsen. Seine Geschichte besteht aus einem Wechselspiel von Eruptionen und immer wieder einbrechenden Gipfelcalderen. Der optisch formvollendete Vulkankegel beherbergt in seinem etwa 200 m breiten Krater einen kleinen, aber permanenten Lavasee von 30 bis 40 Metern Durchmesser. Stetig treten Vulkangase aus.

Knapp 80 Ausbrüche der Stärke VEI 1 bis 3 haben sich hier innerhalb der letzten 450 Jahre ereignet, hauptsächlich Strombolianischen Typs. Zuletzt brach der Stratovulkan 2013 (VEI 1) aus.

Aus der Zeitserie der historischen Eruptionen sind von Kieler Wissenschaftlern Wahrscheinlichkeiten für künftige Eruptionen berechnet worden. Der jetzige Ausbruch ist auf Grund dieser Untersuchungen nicht überraschend.

Wer mehr zu den Forschungsarbeiten in Chile des GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung erfahren möchte, dem sei der folgende Film enpfohlen.

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