Bis Ende des 21. Jahrhunderts könnte sich der Meeresspiegel – je nach zugrunde gelegtem Berechnungsmodell – um 30 cm bis knapp einen Meter erhöhen. Dies hätte auch Auswirkungen auf künftige extreme Wettereignisse wie zum Beispiel hohe Sturmfluten. Diese könnten in der Nordsee durch den Meeresspiegelanstieg bis zu über einen Meter höher auflaufen als beispielsweise die schwere Sturmflut im Februar 1962, die besonders Hamburg getroffen hat. Bei solch hohen Wasserständen würde sich das vor Nordseesturmfluten zu schützende Gebiet von derzeit etwa 10.800 Quadratkilometern um etwa zehn Prozent vergrößern. Durch die besonders stark vertretenen Westwinde wäre in Deutschland besonders die Nordseeküste Schleswig-Holsteins betroffen. Entscheidend für die Wirksamkeit des Küstenschutzes sind flexible Schutzstrategien, die unter Beteiligung und Information der Bevölkerung geplant und umgesetzt werden müssen.

Welche Maßnahmen des Küstenschutzes können getroffen werden?

Deichbau und Deicherhöhung

Deiche sind künstlich angelegte, lang gestreckte Erddämme, die tiefer gelegene Flachküsten schützen. Bereits vor rund 1.000 Jahren wurden Deiche errichtet. Diese waren damaligen Zeitpunkt allerdings nur ca. einen Meter hoch. Heute sind Seedeiche teils über zehn Meter hohe Bauwerke, die an der Seeseite im Gegensatz zu früher stark abgeflacht sind, um die Energie des Wellenlaufs zu verringern. In Schleswig Holstein beispielsweise bestehen 24 Prozent der gesamten Landfläche aus überflutungsgefährderten Küstenniederungen. An der Nordseeküste Schleswig-Holsteins sind das Gebiete, die weniger als 5 Meter über dem Meeresspiegel liegen. Die mehr als 500 Meter lange Küstenlinie umfasst in Schleswig-Holstein die Festlandküste, die Inselküsten sowie die Küsten der Halligen.

Sandaufspülungen

Um den Küstenrückgang zu stoppen, sind permanente Arbeiten zur Erhaltung des Sedimenthaushaltes erforderlich. Sandaufspülungen sind besonders naturnahe Küstenschutzmaßnahmen in Form von Dünenverstärkungen und/ oder als Aufhöhung des Strand-/ Schorrebereiches  ausgeführt. Sie sind aber auch eine sehr kostenintensive Maßnahmen des Küstenschutzes wie die Nordseeinseln Föhr und Sylt zeigen. Dort werden Sandaufspülungen bereits seit den 1960er- bzw. 1970er-Jahren durchgeführt, um Küstenabbrüche und Strandverluste auszugleichen.

Küstenschutzdünen

Der linienförmige Sandkörper wird bei Sturmfluten zum Teil abgetragen und das Material in Strand und Schorre umgelagert.

Wellenbrecher

A) Buhnen: Dabei handelt es sich um zumeist aus Stein errichtete wandartige Bauwerke, die rechtwinkelig zum, Strand verlaufen.

B) Tetrapoden dienen als Wellenbrecher und sind aneinander oder übereinander gereihte bzw. gestapelte Betonblöcke entlang der Küstenlinie.

Deckwerke

Deckwerke sind äußere Schutzschichten in durch Seegang und Strömungen besonders beanspruchten geneigten Bereichen von Deichen und Dünen sowie an erosionsgefährdeten Uferböschungen. Man unterscheidet nach ihrem konstruktiven Aufbau flächenhafte, im Verbund wirkende Beläge aus Natur- oder Betonstein sowie hohlraumreiche, aus ausreichend schweren Natursteinen bestehende Packwerke.

Absperrbauwerke

Ein Beispiel für Absperrbauwerke sind sogenannte Querbauwerke. Sie liegen in Binnengewässern im Mündungsbereich zum Küstengewässer. Im Sturmfall können die Querbauwerke geschlossen werden, um das dahinterliegende Binnenland vor Überflutungen zu schützen.

Der Küstenschutz wird aus rechtlicher Sicht als wichtige Aufgabe für die Gesellschaft  angesehen und ist als eine Gemeinschaftsaufgabe von Bund und Ländern im deutschen Grundgesetz (Art. 91a) verankert. Der Bund wirkt an der Erfüllung der Aufgaben durch Beteiligung an der Rahmenplanung und an der Finanzierung mit.

Text: Karl Dzuba, fachliche Durchsicht Dr. Holger Brix Helmholtz-Zentrum Geesthacht

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