Jede Menge Müll im Meer

Tonnenweise Müll findet sich selbst in entlegenen Regionen der Meere. Plastik gilt als größtes Problem. Es ist lange haltbar und gelangt in die Nahrungskette.

Schätzungsweise 6,4 Millionen Tonnen Müll gelangen jedes Jahr in die Ozeane

Schleppnetze, Glas, Flaschen, Metalle und vor allem Plastik finden tagtäglich in großen Mengen den Weg in die Meere. Das Problem: Plastik kann von Mikroorganismen nicht aufgelöst werden und ist dementsprechend lange haltbar. „Geschätzte 6,4 Millionen Tonnen Müll gelangen jedes Jahr in die Ozeane“, sagt Dr. Melanie Bergmann im Interview mit dem Online-Portal der Helmholtz-Gemeinschaft (helmholtz.de). Die Meeresbiologin vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung, hat in einer aktuellen Studie mit einem Team von Wissenschaftlern aus 15 verschiedenen europäischen Forschungseinrichtungen Daten über die in europäischen Meeren befindlichen Müllmengen zusammengetragen.

Das Team unter der Leitung von Christopher Pham (Universität der Azoren) erforschte mit Hilfe von Grundschleppnetzen, Videoaufzeichnungen und Fotos das Müllvorkommen in 32 verschiedenen Meeresgebieten im Nordost-Atlantik, im Arktischen Ozean und im Mittelmeer. Fazit: Alle europäischen Meere sind verschmutzt. Die untersuchte Fläche war dabei so groß wie noch nie im Rahmen einer Studie. Über die enorme Verbreitung des Mülls zeigte sich Bergmann „sehr überrascht“. Die größten Mengen fanden sich in der Nähe von dicht besiedelten Ballungsräumen. Allerdings treibt Müll auch in unberührten, entlegenen Wasserschichten in Tiefen von über 4.500 Metern.

Bereits „zwischen 2002 und 2011 hatte sich die Müllbelastung mehr als verdoppelt“, sagt Bergmann.

Kunststoff fand sich in knapp der Hälfte aller Videoaufnahmen und in fast allen Schleppnetzproben. Durchschnittlich treiben laut Schätzung des Umweltbundesamtes bereits 13.000 Plastikmüllpartikel auf jedem Quadratkilometer Meeresoberfläche. Kunststoff ist fast unzerstörbar und zerfällt im Laufe der Jahre lediglich in immer kleinere Teile. „Mit diesen millimeterkleinen Teilchen fangen die ökologischen Probleme wahrscheinlich erst richtig an. Denn das Mikroplastik bietet nicht nur eine willkommene Oberfläche für verschiedene fettliebende Giftstoffe, es kann sich auch innerhalb der Nahrungskette anreichern“, sagt Bergmann.

Plastiktüten konsequent verbieten

Meerestiere verwechseln die kleinen Plastikpartikel zudem als Futter, womit der Weg in die Nahrungskette geebnet ist und an deren Ende der Mensch steht. „Welche gesundheitlichen Folgen das hat und was das langfristig für uns und unser Ökosystem bedeutet, darüber ist bisher wenig bekannt“, sagt Bergmann und ergänzt: „Dort wo Müll den Meeresboden bedeckt, ist von Änderungen in der Artengemeinschaft auszugehen.“

Die Herkunft und die Art und Weise der Verteilung des Mülls lässt sich noch nicht exakt bestimmen. Denn gerade aufgrund des geringen Gewichts von Plastik kann dieses mit Hilfe von Meeresströmungen weite Strecken zurücklegen.

Mit der aktuellen Studie, die ein Ergebnis des EU-geförderten Forschungsprojektes HERMIONE (Hotspot Ecosystem Research and Man’s Impact on European Seas) ist, sollen laut Bergmann „die Öffentlichkeit und insbesondere politische Entscheidungsträger auf das Problem aufmerksam“ gemacht werden. Gegen den bereits im Meer existenten Müll lässt sich aufgrund der riesigen Dimensionen kaum etwas machen. Einen Lösungsansatz für die Müllproblematik liefert Bergmann allerdings: „Letztendlich hilft es nur, konsequent Plastiktüten zu verbieten und gesetzlich sowie ökonomisch Anreize zu schaffen, die helfen die zunehmende Verpackungsflut einzudämmen“, sagt Bergmann. Bis dahin gilt für Verbraucher idealerweise auf Plastiktüten zu verzichten bzw. Kunststoffverpackungen dem Verwertungskreislauf (Recycling) zuzuführen.

Weitere Informationen

 Pressemitteilung Alfred-Wegener-Institut, 30. April 2014: "Kein europäisches Meer ohne Müll?" Link
 Helmholtz-Gemeinschaft: "Die Plastikpest". Link
 Das Paper zur Studie erschien am 1. Mai 2014: "Marine litter distribution and density in European Seas, from the shelves to deep basins". Fachmagazin PLOS ONE. Link

Text, Fotos und Grafiken soweit nicht andere Lizenzen betroffen: eskp.de | CC BY 4.0
eskp.de | Earth System Knowledge Platform – die Wissensplattform des Forschungsbereichs Erde und Umwelt der Helmholtz-Gemeinschaft

Verwandte Artikel

Grundlagen