Tsunami werden überwiegend durch starke untermeerische Erdbeben ausgelöst. Allerdings können auch Hangrutschungen oder ein Vulkanausbruch die Ursache für einen Tsunami sein, was durch historische Daten insbesondere für den Mittelmeerraum belegt ist.

Einer Hangrutschung geht zwar oftmals auch ein Erdbeben voraus, allerdings müsste es nicht sehr stark sein. Da viele Tsunami-Frühwarnsysteme erst bei Starkbeben in den Alarmmodus schalten, arbeiten Wissenschaftler des Deutschen GeoForschungsZentrums in Potsdam (GFZ) an der schnellen Erfassung von Hangrutschungen und der dadurch ausgelösten Meeresspiegeländerung.

Eine weitere Herausforderung, die technisch von den Wissenschaftlern berücksichtigt werden muss, ist die geringe Größe des Mittelmeeres. Es ist vergleichsweise klein, die Flutwellen können die Küste überall schnell erreichen, so dass die Frühwarnzeit extrem kurz sein kann. Darüber hinaus muss eine Warnung ggf. für mehrere Länder ausgegeben werden, was bei den technischen Entwicklungsarbeiten und auch bei den Schulungsaktivitäten zusätzlich berücksichtigt werden muss.

Mittelmeer: Wellenhöhen von 5 bis 6 Metern möglich

Die möglichen Ausmaße eines Tsunami im Mittelmeer sind durchaus mit dem katastrophalen Ereignis vom 26. Dezember 2004 im Indischen Ozean vergleichbar. "Erdbeben im Mittelmeerraum können die Stärke 7,5 bis 8 erreichen, dementsprechend sind Wellenhöhen von 5 bis 6 Metern im Bereich des Möglichen", sagt Dr. Jörn Lauterjung vom GFZ. Die Folgen wären katastrophal. Entsprechend groß ist das Interesse an einem Tsunami-Frühwarnsystem wie es im Indischen Ozean besteht.

Das GFZ unterstützt die Intergovernmental Oceanographic Commission (IOC) der UNESCO, eine Arbeitsgruppe der Vereinten Nationen, die sich mit Meereswissenschaften, Daten- und Informationsaustausch für den Aufbau eines solchen Systems seit 2005 beschäftigen. Ein erster Kommunikationstest im August 2011 im Rahmen des Tsunami Early Warning and Mitigation System für den Nord-Ost-Atlantik, das Mittelmeer und verbundene Meere (NEAMTWS) war erfolgreich. NEAMTWS ist eine von vier weltweiten Tsunami-Frühwarnstrukturen, die von der IOC koordiniert werden. Vergleichbare Systeme sind im Pazifik, im Indischen Ozean und der Karibik in Betrieb.

"Bereits 2005 hat die UNESCO damit begonnen in jedem Anrainerland des Mittelmeers und der angrenzenden Meere nationale Einrichtungen zu identifizieren, die sogenannten National Tsunami Warning Focal Points, die für die Organisation der Informationsverbreitung an die zuständigen nationalen Katastrophenschutzorganisationen und damit an die Bevölkerung zuständig sind. Es existieren seit einigen Jahren nationale Warnzentren z. B. in Frankreich, in Portugal oder in der Türkei, die die seismische Aktivität und die Meerresspiegel rund um die Uhr überwachen und ggf. Alarm auslösen. Es existiert also nicht DAS Frühwarnzentrum im Mittelmeer, sondern ein föderal organisiertes System, welches den Vorteil hat, dass mehrere Frühwarnzentren parallel beobachten", erklärt Lauterjung die Anstrengungen, die für den Aufbau eines Tsunami-Frühwarnsystems im Mittelmeer unternommen werden.

Das GFZ war beim Aufbau des Tsunami-Frühwarnsystems für Indonesien federführend. Auch im Mittelmeerraum ist das Forschungszentrum tätig. "Wir haben natürlich unsere Erfahrungen bei der Zusammenarbeit mit der UNESCO eingebracht. So ist z. B. das Auswertesystem für das seismische Monitoring (Beobachtung der Erdbebenaktivität), das vom GFZ für das Frühwarnsystem im Indischen Ozean entwickelt wurde, fast überall in der Anrainerstaaten des Mittelmeeres im Einsatz. Eine erste Modell-basierte Gefahren- und Risikoanalyse für den Mittelmeerraum basierend auf den langjährigen Arbeiten zur seismischen Gefährdungsanalyse wurde darüber hinaus kürzlich veröffentlicht", sagt Lauterjung.

Den Beitrag über "Tsunamigefährdete Regionen im Mittelmeerraum" können Sie hier nachlesen.
Text: Dr. Ute Münch, fachliche Durchsicht Dr. Jörn Lauterjung, Deutsches GeoForschungsZentrum (GFZ)

Weiterführende Informationen

Wissenschaftler des GFZ haben Informationen zu diesem Thema zusammengestellt:
Die Merkblätter geben Ratschläge zu Verhaltensweisen bei starken Erdbeben und Tsunami ("Merkblatt Erdbeben - Was mache ich, wenn die Erde bebt?" und "Merkblatt Tsunami")

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