Mittelamerika: ein aktiver Vulkanbogen

Quasi permanent brodeln Vulkane entlang der Mittelamerikanischen Landbrücke. In den letzten drei Jahrhunderten kam es zu mehr als 200 Ausbrüchen.

Manchmal stoßen sie Gase aus oder es mischen sich kleinere Aschewolken oder Lavaströme dazwischen. Von Zeit zu Zeit wird die relativ sanfte Aktivität unterbrochen von stärkeren, zerstörerischeren Ausbrüchen. Zu den derzeit aktivsten Vulkanen Mittelamerikas gehören Santa María mit seinem Flankenkegel Santiaguito, Pacaya und Fuego in Guatemala sowie der Arenal im Nordwesten Costa Ricas.

Insgesamt ereigneten sich in Mittelamerika in den letzten drei Jahrhunderten weit mehr als 200 Vulkanausbrüche der Stärke VEI ≥ 2. Aus Informationen über die Häufigkeiten vergangener Aubrüche lassen sich Wahrscheinlichkeiten für einen bevorstehenden Ausbruch des jeweiligen Vulkans ableiten. In einer vor kurzem am Geomar Helmholtz Zentrum für Ozeanforschung Kiel durchgeführten Studie sind derartige Wahrscheinlichkeiten für sieben mittelamerikanische Vulkane berechnet worden. Am höchsten ist die Gefahr eines VEI ≥ 2 Ausbruchs am Concepción und am Cerro Negro in Nicaragua, die mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 % innerhalb der nächsten 4–6 Jahre erneut eruptieren werden. Weiter im Südosten, in Costa Rica, bahnt sich am Poás und am Irazú innerhalb von 5–9 Jahren mit einer 50 % Wahrscheinlichkeit ein neuer Ausbruch an. Rincon de la Vieja in Costa Rica und der El Salvadorianische Vulkan San Miguel haben eine mittlere Ausbruchswahrscheinlichkeit.

Dahingegen erreicht der noch sehr junge Vulkan Izalco in El Salvador die 50 % Schwelle erst in 30 Jahren, sein Magmareservoir ist noch von unvollständigen und unregelmäßigen Reifungsprozessen gekennzeichnet. Generell können neue Ausbrüche auch an scheinbar schlafenden Vulkanen innerhalb einer aktiv angetriebenen Vulkankette niemals ausgeschlossen werden. In Mittelamerika sind eine Reihe weiterer Vulkane in jüngerer Vergangenheit eruptiert. Sie wurden in dieser Studie nicht berücksichtigt, da ihre Eruptionszeitreihen für die durchgeführte Analyse zu kurz waren.

Die Vulkane Mittelamerikas werden durch die Subduktion der Cocosplatte unter die Karibische Platte erzeugt. Der dadurch entstehende Vulkanbogen folgt der Westküste Mittelamerikas, etwa 30–70 km von der Küste entfernt. Hier lebt auch ein Großteil der Bevölkerung, baut Verkehrswege, betreibt industrielle und landwirtschaftliche Produktion. Die großen und dicht besiedelten Hauptstädte der Länder Guatemala, El Salvador, Nicaragua und Costa Rica befinden sich alle im unmittelbaren Umfeld großer Vulkane. Denn diese Regionen bietet attraktive Lebensbedingungen, gute Verkehrsanbindungen, erlauben die Nutzung thermischer Energie aus den Magmensystemen und locken Touristen an. Zugleich bedeutet die Nähe zu den Vulkanen eine Akzeptanz der Gefahr, die von ihnen ausgeht. Dieses heikle Miteinander von Mensch und Vulkan macht eine Risikoabschätzung und Überwachung unverzichtbar.

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eskp.de | Earth System Knowledge Platform – die Wissensplattform des Forschungsbereichs Erde und Umwelt der Helmholtz-Gemeinschaft

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