CEDIM-Wissenschaftler im Einsatz nach Erdbeben in Nepal

Forscher untersuchen Verhalten und Entscheidungen zum Aufsuchen von Notunterkünften nach Naturkatastrophen wie den Erdbeben in Nepal.

Forscher des Center of Disaster Management and Risk Reduction Technology (CEDIM) am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und des Südasien Instituts (SAI) der Universität Heidelberg haben am 6. Juni 2015 mit einem Feldeinsatz in Nepal begonnen. Während ihres zweiwöchigen Aufenthalts wollen sie die Auswirkungen des Erdbebens vom 25. April auf die Bevölkerung und deren Entscheidungsverhalten zum Aufsuchen von Notunterkünften untersuchen. Wissenschaftliches Ziel dabei ist es, die Methoden zur Identifikation und Bewertung geeigneter Plätze und Freiflächen für Notunterkünfte zu überprüfen und anzupassen, die sie Anfang Mai in der zeitnahen Analyse von CEDIM zum Aufbau von Notunterkünften nach dem Erdbeben erstmals verwendet haben.

Nach Angaben der Nepalesischen Regierung haben das Erdbeben am 25. April und die Nachbeben fast 631.000 Häuser beschädigt oder zerstört. Anfang Juni, d.h. etwa 6 Wochen nach dem Erdbeben, lebten noch etwa 91.500 Menschen in 374 Notunterkünften in 12 der 14 vom Erdbeben am stärksten betroffenen Distrikte Nepals. Im Tal von Katmandu befanden sich nach den Angaben der Internationalen Organisation für Migration vom 24. Mai etwa 21.600 Menschen in 64 offiziell ausgewiesenen Camps. Allerdings haben mehr der obdachlos Gewordenen im Tal von Kathmandu selbstverwaltete Notunterkünfte in der Nähe ihrer unbewohnbaren Behausungen aufgesucht als die offiziell ausgewiesenen Camps.

Während seines Aufenthaltes in Nepal wird das Forscherteam Haushaltsbefragungen in von der Regierung verwalteten und in selbstverwalteten Camps durchführen, um besser als bisher zu verstehen, weshalb bestimmte Haushaltsgruppen eine erhöhte Anfälligkeit dafür haben, nach einem Erdbeben obdachlos zu werden. Außerdem möchte das Team die Beweggründe für die Entscheidungen untersuchen, aus denen manche Haushalte eher Schutz in der Nähe ihrer unbewohnbar gewordenen Behausung oder in von der Regierung bereitgestellten Notunterkünften suchen. Zusätzlich sollen auch die Informationsbedürfnisse der Betroffenen zu vorhandenen Optionen hinsichtlich Notunterkünften einschließlich mittelfristiger Unterbringung und langfristigem Wiederaufbau erhoben werden.

1,9 Millionen Notunterkünfte benötigt

Die Bereitstellung von Notunterkünften vor dem Eintritt des Monsuns bleibt weiterhin eine hohe Priorität in der Bewältigung des Erbebens. Die Organisation Shelter Cluster, die international die Bereitstellung von Notunterkünften organisationsübergreifend u.a. für die UN und Nichtregierungsorganisationen der Humanitären Hilfe koordiniert, rechnet in Nepal mit benötigten Notunterkünften für 1,9 Millionen Menschen. Das Forscherteam wird daher auch in betroffene ländliche Regionen fahren und dort Optionen für weitere Notunterkünfte sowie Planungen für die mittel- und langfristige Unterbringung und Wiederansiedlung analysieren.

Während des Aufenthaltes in Nepal arbeitet das CEDIM-Forscherteam eng mit der Nationalen Behörde für Erdbebensicherheit (National Society for Earthquake Technology (NSET) zusammen, um für den Feldeinsatz relevantes Wissen, Ressourcen und Daten austauschen.

Feldeinsätze kurz nach Katastrophen wie dem Erdbeben in Nepal am 25. April 2015 sind eine hilfreiche Komponente des Ansatzes von CEDIM, Katastrophen und ihre Folgen möglichst zeitnah zu analysieren und zu bewerten.

Das Center for Disaster Management and Risk Reduction Technology, CEDIM, ist eine interdisziplinäre Forschungseinrichtung des Deutschen GeoForschungsZentrums (GFZ) und des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT).

Externe Linktipps:

- Helmholtz: Plattentektonik - ein Crash in Superzeitlupe

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