Rekordwarmer März und April-Fröste: eine schadenträchtige Kombination

Ein großer, temperaturbedingter Vegetationsvorsprung im Frühling 2017 wird zum Fiasko für den Obst- und Weinbau.

Mit einer landesweit gemittelten Durchschnittstemperatur von 7,2 °C ging der März 2017 als wärmster März-Monat seit Beginn der regelmäßigen Aufzeichnungen 1881 in die Wetterannalen Deutschlands ein. Der Temperaturüberschuss lag rund 3 Grad über der Norm (Bezugszeitraum: 1981–2000) und schloss auf dem Niveau eines normalen Aprils. Auch die erste Aprildekade erreichte gut 2 Grad höhere Werte als üblich. Im Monatsverlauf geriet die jahreszeitlich übliche Erwärmung allerdings ins Stocken. Die letzten beiden Wochen des Aprils verliefen erheblich zu kalt und brachten häufige Nachtfröste.

Fröste im April nicht alleine verantwortlich für Schäden im Obstbau

Nachtfröste im April sind überhaupt nicht ungewöhnlich. Durchschnittlich drei Mal sinkt im April das Thermometer in Frankfurt/Main unter den Gefrierpunkt, mit 4 Frostnächten muss beispielsweise in Hamburg gerechnet werden. Der April 2017 wies nur wenige Frostnächte mehr als üblich auf, auch die absoluten Tiefsttemperaturen blieben fast überall deutlich über den Rekordwerten. In Hamburg wurde es nicht kälter als -3,9 °C. Für einen neuen Rekord Mitte/Ende April hätte es einer Tiefsttemperatur von -6,5 °C bedurft.

Noch viel kälter als 2017 war es Mitte April 1986. Aus diesem Jahr stammen die meisten Dekadenrekorde (bis zu -11 °C in Gardelegen). München-Stadt verzeichnete am 12. April 1986 eine 11 cm hohe Schneedecke bei einer Höchsttemperatur von -0,8 °C. Ende April war es in den letzten Jahrzehnten 1980, 1985, 1991 und 1997 besonders kalt. Häufig fiel dabei auch Schnee bis in tiefe Lagen. Beispielsweise registrierte Freiburg im Breisgau sogar noch am 28. April 1985 eine 3 cm hohe Schneedecke. Der April zeigte in den letzten Jahren (2007, 2009, 2011, 2014) häufiger ein ungewöhnlich sommerliches Gesicht. Der letzte zu kalte April in Deutschland liegt hingegen schon 16 Jahre zurück (2001: 7,1 °C, -0,3 Grad). Von 1975 bis 1980 gab es sogar sechs Aprilmonate in Folge, die wesentlich kälter waren als der diesjährige März. Der April ist sogar bislang im 21. Jahrhundert der Monat, der sich im Vergleich zum Mittelwert des 20. Jahrhunderts am meisten erwärmt hat (+1,6 Grad).

Nachtfröste im Frühjahr treten insbesondere in trockener Polarluft bei windschwachen und wolkenarmen Verhältnissen auf. Die Kaltluft sammelt sich vor allem in Mulden, Senken und Tälern, während nach oben hin an Hängen sowie auf Kuppen und Hügeln die Froststrenge und die Frostgefahr insgesamt abnehmen. In Karlsruhe beispielsweise sank in 200 Meter Höhe über Grund die Temperatur im April 2017 überhaupt nicht unter den Gefrierpunkt, am selben Ort in 2 Meter über Grund hingegen bis -4 °C.

Folgenschweres Timing der Natur

Wesentlich ungewöhnlicher als die Tiefsttemperaturen selbst war in der zweiten Monatshälfte des April 2017 das Zusammentreffen von Frost und den in voller Blüte stehenden Obstbäumen sowie dem Austrieb an den Weinreben in Mitteleuropa. Im rekordwarmen März konnte sich die Vegetation einen großen Vegetationsvorsprung erarbeiten. Der Beginn der Apfelblüte im Saarland erfolgte zum Beispiel beachtliche 16 Tage früher als im Mittel der Jahre 1992-2016. Nach Daten des Deutschen Wetterdienstes (landwirtschaftliche Sofortmelder) blühte der erste Apfelbaum sogar schon am 20. März 2017. In vielen Regionen Deutschlands fiel die verfrühte Blüte im April dann jedoch mit den kältesten Nächten und Temperaturen bis -7 °C (z.B. an der Mosel) zusammen. Nur sehr selten wird es bei einem solchen Vegetationsstand wie in diesem Jahr noch unter -5 °C kalt. Sehr empfindlich reagieren auch Weinreben in der Austriebsphase auf Fröste. 

Mit Hubschraubern und Fackeln gegen den Frost

Maßnahmen gegen Frost und seine Auswirkungen sind aufwändig und kostspielig. Auch in diesem Jahr wurden in Weinbergen gebietsweise Fackeln aufgestellt. Eine andere Methode besteht in der Verwirbelung der Luft mit Hilfe von Hubschraubern, deren Abwind (downwash) wärmere Luft aus höheren frostfreien Luftschichten nach unten transportiert. Bei der Beregnung von Reben oder Obstbäumen verhindert die beim Gefriervorgang freiwerdende Gefrierwärme eine zu starke weitere Abkühlung in den kritischen Frostbereich. Einen gewissen Schutz bieten in Bodennähe auch Abdeckungen. Im Obst- und Weinbau in Mitteleuropa belaufen sich die Schäden nun, trotz einiger Gegenmaßnahmen, in der Summe auf einen Milliardenbetrag. Mancherorts muss mit einem Totalausfall der Ernte gerechnet werden.

Weiterführende Informationen

Ausführliche Informationen und Bilder zum wärmsten März seit Aufzeichnungsbeginn 1881, zu dem Kaltlufteinbruch im April 2017, Niederschlägen und Schneehöhen.

Wissenschaftler von CEDIM (Center for Disaster Management and Risk Reduction Technology am KIT) haben vor allem die meteorologischen Aspekte des Witterungsverlaufs im April ausführlich betrachtet. Des Weiteren ist eine Untersuchung insbesondere zu den Auswirkungen der Fröste im Weinbau in Arbeit.

Text und Daten in Kooperation mit CEDIM, einer interdisziplinären Forschungseinrichtung des Karlsruher Instituts für Technologie.

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