Meeresspiegelanstieg an den Nordseeküsten

Nicht nur Küstenregionen sind vom Meeresspiegelanstieg betroffen. Auch an Meeresflüssen gelegene Städte wie Hamburg sind stark gefährdet.

Die fortschreitende Produktion von anthropogenen Treibhausgasen der letzten Jahrzehnte führt zu stetig steigenden Temperaturen der Atmosphäre und Ozeane. Das Eis der Gletscher und Pole schmilzt mit rasanter Geschwindigkeit und das Ozeanwasser dehnt sich aus, was den Meeresspiegel steigen lässt. Dieser Anstieg wirkt sich jedoch nicht in allen Gebieten der Welt gleich aus. Prognosen bis zum Ende des Jahrhunderts zufolge kann der Meeresspiegelanstieg innerhalb eines Bereiches von -5 bis 200 cm variieren. Die geografische Lage einer Region (Plattentektonik, Anhebung und Absenkung des Meeresbodens als immer noch bestehende Reaktion auf die letzte Eiszeit, Vulkanaktivität, Exponiertheit, Landwasserspeicher etc.) ist dabei maßgeblich verantwortlich für diese Unterschiede. Jedoch sind viele Komponenten noch unbekannt und viele Details werden für klimatische Vorhersagemodelle noch benötigt.

Eine immense Anzahl an Pegelmessstellen in der Nordsee, welche teilweise bereits seit 1900 bestehen, helfen beim Verstehen von Veränderungen des Meeresspiegels. Höhere Gezeiten-Flutwellen und Geschwindigkeiten, verstärkte Erosion und Küstenabbruch, dauerhafte Überflutung von Watten, Salzwiesen und landwirtschaftlich genutzten Flächen sowie erheblicher ökonomischer (Wirtschaft, Tourismus, Industrie, Fischerei, Wohngebiete) als auch ökologischer Schaden (Rückgang an Arten und Biomasse, Verlust einzigartiger Biotope) werden als Folgen eines Meeresspiegelanstieg erwartet. Speziell Inseln, Halligen und flache Küstenregionen sind betroffen, aber auch an Meeresflüssen gelegene Städte wie Hamburg sind stark gefährdet, denn häufige Westwinde drücken die Wassermassen landeinwärts.

Jedoch sind auch stabile Zustände denkbar. Sedimentablagerungen spielen hierbei eine große Rolle. Durch Wind und Wasserbewegung wird Sand bewegt, dabei an einer Stelle abgetragen und an anderer Stelle wieder abgelagert, was zu Neubildung von Land führt. Sedimente aus dem Subtidal, wie z.B. aus Prielen, wird hierbei durch Wasserkraft mitgerissen und setzt sich schließlich auf Wattflächen und Salzwiesen ab. Solange die Ablagerungsraten die Meeresspiegelanstiegsraten überschreiten oder gleich sind, können Salzwiesen und Wattflächen mit dem Anstieg mithalten. Es existiert ein sogenannter "tipping point" in Bezug auf den Meeresspiegelanstieg von 5mm pro Jahr. Liegt der Anstieg darunter ist das System stabil, liegt er darüber, kommt es zu Überschwemmungen. Innerhalb des trilateralen Rahmens (Niederlande, Deutschland, Dänemark) sind bereits Langzeituntersuchungen zu dieser Thematik im Gange.

Suchen nach permanenter Lösung für Schutzmaßnahmen

Die von Menschen errichteten Deiche aus Stein und Beton bilden hierbei eine Grenze für Sedimentablagerungen, da sie den Sand zurückdrängen und ein Mitwandern mit dem Meer verhindern. Besonders gefährdet sind dadurch Rast- Futter- und Brutstätten von Vögeln und Säugetieren, die auf Salzwiesen, Watten und Sandbänke angewiesen sind. Durch längere oder dauerhafte Überflutung dieser Bereiche laufen die Tiere Gefahr zu wenig Nahrung aufnehmen zu können und zu sterben. Zu wenig ist jedoch bis jetzt über ökologische Folgen bekannt und weitere Untersuchungen sind dringend nötig.

Von größter Bedeutung ist jedoch in erster Linie ein Hand in Hand-Arbeiten von
Umweltschutzorganisationen, Behörden und Wissenschaft, um eine gemeinsame Zielvorstellung zu verwirklichen. Diese beinhaltet eine permanente Lösung für Schutzmaßnahmen für den Menschen in Kombination mit Küstenwachstum, Sedimentation und dem Schutz und Erhalt von natürlichen Prozessen, ökologischer Vielfalt und Qualität.

Siehe hierzu auch:
Delta Programme Commissioner
Common Wadden Sea Secretariat

Text, Fotos und Grafiken soweit nicht andere Lizenzen betroffen: eskp.de | CC BY 4.0
eskp.de | Earth System Knowledge Platform – die Wissensplattform des Forschungsbereichs Erde und Umwelt der Helmholtz-Gemeinschaft

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