Die wissenschaftliche Konferenz "Our Common Future under Climate Change" (CFCC) mit über 2.200 Wissenschaftlern aus fast 100 Ländern fand vom 6. bis 10. Juli 2015 in Paris statt. Die Konferenz gilt als größtes Experten-Treffen im Vorfeld zur 21. Vertragsstaatenkonferenz der UN-Klimarahmenkonvention (Conference of the Parties COP 21). Auf dieser soll im Dezember 2015 in Paris ein neues Abkommen mit verbindlichen Zielen zur Verminderung der Treibhausgas-Emissionen vereinbart werden.

Aufbauend auf den Ergebnissen des 5. Sachstandsberichts des Weltklimarats IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) wurden auf der CFCC Schlüsselthemen adressiert, die den Klimawandel in einen breiten Kontext des globalen Wandels stellen. Es wurden sowohl Vermeidungs- als auch Anpassungsoptionen diskutiert.

Die Konferenz strukturierte sich um folgende vier Themenblöcke:

•    Neuestes Wissen über den Klimawandel:
Aktuelle Kenntnisse aus Natur-und Sozialwissenschaft wurden im Hinblick auf beobachtete Änderungen im Klimasystem zusammengeführt.
•    Landschaften unserer gemeinsamen Zukunft:
Auswirkungen zukünftiger Klimaänderungsszenarien für die nähere Zukunft sowie für das Ende des 21. Jahrhunderts wurden in verschiedenen Sektoren und Systemen - auch sektor-und systemübergreifend - betrachtet.
•    Antworten auf Herausforderungen des Klimawandels:
Es wurde sowohl auf Vermeidungs- und Anpassungsmöglichkeiten eingegangen, insbesondere auf wissenschaftliche und technologische Durchbrüche sowie Barrieren, Zielkonflikte, Zusatznutzen, Risiken und Rückkopplungen.
•    Kollektives Handeln und transformative Lösungen:
Aus einer sektorübergreifenden Perspektive wurden transformative Lösungen in Bezug auf den Klimawandel untersucht, um integrierte Lösungen zu erreichen.

Umfassende Informationen geben die Kurzfassungen der Tagungsbeiträge und die Präsentationen der Vorträge.

Das Climate Service Center Germany (GERICS) war an der Konferenz aktiv beteiligt. Direktorin Dr. Daniela Jacob leitete die Session "Multi-sectoral analysis of risks to climate change (hot spots) at 2 °C warming", in der Auswirkungen einer globalen Erwärmung von 2°C und mehr gegenüber dem vorindustriellen Temperaturniveau auf Europa und weltweit diskutiert wurden. Viele mediterrane Regionen leiden schon heute unter Wasserstress, was besonders für kleine Inseln sehr problematisch ist. Eine in der Session vorgestellte, sektorübergreifende Analyse zeigte, dass die für die Zukunft projizierten geringeren Niederschläge und höheren Temperaturen sich sehr negativ auf lokale Wasserressourcen auf Kreta auswirken. Mögliche Anpassungsmaßnahmen hinsichtlich der Wasserknappheit müssten sowohl "sanfte" Maßnahmen (z.B. verändertes Verhalten), als auch Investitionen in die Infrastruktur beinhalten, um in Zukunft zuverlässig über genügend Wasser verfügen zu können.

In ihrem Keynote-Vortrag präsentierte Daniela Jacob Erkenntnisse aus dem europäischen Forschungsprojekt IMPACT2C. Auch ging sie auf wichtige neue Konzepte des 5. Sachstandsberichts des Weltklimarats ein. Als Leitautorin des Kapitels zu Europa in Band 2 des IPCC-Berichts stellte sie wesentliche Ergebnisse zu den Auswirkungen des Klimawandels auf verschiedene Sektoren in Europa vor.

Zu den drei Teilbänden des 5. Sachstandsberichts bietet GERICS eine Orientierungshilfe mit "IPCC leicht gemacht": Das Informationsblatt leitet durch ausgewählte Originaldokumente des jüngsten Weltklimaberichts und bringt dem Leser den Bericht ohne Interpretation und Wertung nahe.

Im Folgenden werden einige Aspekte* aus "IPCC leicht gemacht" aufgegriffen, die Besonderheiten für Europa aufzeigen, sowie sektorübergreifende Informationen, "Co-Benefits" und unbeabsichtigte Folgen von Anpassung und Klimaschutz. Das dazugehörige "Confidence-Statement"** spiegelt den Grad des Verständnisses und die wissenschaftliche Einigkeit des gegebenen Phänomens wider.

•    Klimaprojektionen zeigen deutliche Zunahmen der hohen Temperaturextreme [high confidence], der meteorologischen Dürren [medium confidence], der Starkregenereignisse [high confidence] mit regionalen Unterschieden über Europa, kleine oder keine Änderungen der extremen Windgeschwindigkeiten [low confidence]. Eine Ausnahme ist die Zunahme der extremen Windgeschwindigkeiten im Winter über Zentral- und Nordeuropa [medium confidence].
•    Der Klimawandel erhöht die Gefahr von Systemausfällen in ganz Europa ausgelöst durch extreme Wetter- bzw. Klimaereignisse. Dies kann viele Sektoren gleichzeitig treffen [medium confidence].
•    Extreme Wetterereignisse haben zurzeit erhebliche Auswirkungen in Europa in mehreren Wirtschaftssektoren [high confidence] sowie negative soziale und gesundheitliche Folgen [high confidence]. Es gibt wenig Hinweise darauf, dass sich die Resilienz gegenüber Hitzewellen und Bränden verbessert hat [medium confidence]. Einige Länder haben ihren Hochwasserschutz aufgrund von bedeutenden Hochwasserereignissen verbessert.
•    Es gibt eine hohe Anpassungskapazität in Europa im Vergleich zu anderen Regionen der Erde, jedoch starke, regionale Unterschiede in den Auswirkungen des Klimawandels und der Kapazität, darauf zu reagieren.
•    Die Entwicklung von Anpassungsstrategien und Priorisierung von Optionen findet von der europäischen bis zur lokalen Ebene statt. Es gibt aber nur begrenzte systematische Informationen über die aktuelle Umsetzung und Wirksamkeit von Anpassungsstrategien oder -maßnahmen.
•    Es gibt zusehends Anzeichen für Chancen und unbeabsichtigte Folgen  von politischen Entscheidungen, Strategien und Maßnahmen, die auf Anpassung und/oder Emissionsminderungen zielen.

Ein Ergebnis der CFCC-Konferenz in Paris ist eine gemeinsame Stellungnahme des wissenschaftlichen Beirats, die die wissenschaftliche Grundlage für ein mögliches Handeln zusammenfasst und Problem- und Lösungsbereiche aufzeigt, besonders im Hinblick auf die COP21.Unter anderem wird darauf hingewiesen, dass eine ehrgeizige Minderung von Treibhausgasemissionen, die die globale Erwärmung auf unter 2 °C im Vergleich zum vorindustriellen Niveau begrenzt, wirtschaftlich machbar ist. Dies erfordert jedoch eine Reihe von Maßnahmen, einschließlich Investitionen in Forschung, Entwicklung und Technologietransfer, sowie einen Ausstieg aus der Subventionierung fossiler Energieträger und die Bepreisung von Kohle. Für kostengünstige Minderungspfade müssen die Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2050 um 40-70% des heutigen Niveaus reduziert werden. Investitionen in Klimaschutz und Anpassung kann breite positive Nebeneffekte haben, sogenannte Co-Benefits, die einen Schutz auch vor heutigen Klimaschwankungen bieten, Schäden durch Luft-und Wasserverschmutzung verringern und so eine nachhaltige Entwicklung voranbringen.

Links/Quellen:

*übersetzt aus Kovats, R.S., R. Valentini, L.M. Bouwer, E. Georgopoulou, D. Jacob, E. Martin, M. Rounsevell, and J.-F. Soussana,
2014: Europe. In: Climate Change 2014: Impacts, Adaptation, and Vulnerability. Part B: Regional Aspects. Contribution of Working Group II to the Fifth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate
Change [Barros, V.R., C.B. Field, D.J. Dokken, M.D. Mastrandrea, K.J. Mach, T.E. Bilir, M. Chatterjee, K.L. Ebi, Y.O. Estrada, R.C. Genova, B. Girma, E.S. Kissel, A.N. Levy, S. MacCracken, P.R. Mastrandrea, and L.L. White (eds.)]. Cambridge University Press, Cambridge, United Kingdom and New York, NY, USA, pp. 1267-1326.

**weiterführende Informationen dazu in Mastrandrea, M.D. et al., 2010: Guidance Note for Lead Authors of the IPCC Fifth Assessment Report on Consistent Treatment of Uncertainties. Intergovernmental Panel on Climate Change.

Weitergehende Informationen zur CFCC finden Sie hier.
Während der Konferenz wurde mit verschiedenen sozialen Medien gearbeitet:
- der Konferenzblog,
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