Sekundärphänomene bei Vulkanausbrüchen

Bei Vulkanausbrüchen kommt es neben direkten Auswirkungen wie Lavaströmen zu Sekundärphänomenen, die vor oder nach den Ausbrüchen auftreten können.

 Erdbeben      Hangrutsch      Lahar      Tsunami      Waldbrand

Erdbeben

Vulkanismus tritt in tektonisch aktiven Gebieten auf. Daher gehen mit Vulkanismus auch häufig Erdbeben einher. So zum Beispiel durch den Transport (Propagation) von Gasen durch Risse in der Erdkruste, oder durch Bewegungen der Magmakammer. Größere Erdbebenschwärme können Eruptionen ankündigen, starke Erdbeben können sogar als ihre Auslöser wirken.

Hangrutsch und Flankenbruch

Besonders Stratovulkane sind durch ihre steilen Hänge gefährdet für Hangrutsche oder Flankenabbrüche. So etwas geschah zum Beispiel beim Mount St. Helens im US-Bundesstaat Washington 1980, als beim Ausbruch 2,5 km² des Vulkankegels fast 30 km abrutschten.

Lahar

Lahare, im Volksmund auch als "Schlammströme" bezeichnet, gehören zu den sehr zerstörerischen Sekundärphänomenen des Vulkanismus. Sie formen sich, wenn auf einer Vulkanflanke lockeres Gesteinsmaterial in Bewegung gerät. Dies muss nicht unbedingt mit einer Eruption im Zusammenhang stehen. Meist werden Lahare unter Beteiligung von Wasser ausgelöst. Befindet sich beispielweise im Gipfelkrater ein Kratersee, so mischen sich bei einer Eruption das schon vorhandene und das neu ausgeworfene Gesteinsmaterial mit dem Wasser des Sees. Auch das Schmelzen von Schnee und Eis – durch eine Eruption oder Erwärmung – kann zur Entstehung eines Lahares führen. Mitunter reichen starke Regenfälle, um bereits abgelagertes vulkanisches Material zu mobilisieren.

In der Natur finden sich sämtliche Mischungsverhältnisse zwischen vulkanischem Lockermaterial und Wasser; von trockenen Geröllawinen über Mischungen, die sich wie frisch angerührter Beton verhalten bis hin zu dünnflüssigen Strömen, die wie Wasser fließen. Dieses Gemisch kann im Extremfall bis zu 180 km/h schnell und bis zu 300 km weit fließen. Lahare sind sehr zerstörerisch und können zum Beispiel Brücken einreißen, wie beim Eisenbahnunglück am Fuße des Ruapehu in Neuseeland 1953, und ganze Dörfer zerstören, wie es 2008 am Vulkan Chaitén im südlichen Chile geschah.

Wenn Vulkane Tsunamis auslösen

Die Westflanke des Anak-Krakatau rutschte im Dezember 2018 ins Meer. Der Tsunami, der durch diese Hangrutschung ausgelöst wurde, traf die Küste Indonesiens völlig unvorbereitet. Vulkane müssen nicht ausbrechen, um instabil zu werden. Momentan sackt die Südostflanke des aktivsten Vulkans Europas allmählich ab. Noch gibt es keine Anzeichen für einen plötzlichen Hangrutsch und einen daraus resultierenden Tsunami. Theoretisch wäre so eine Ereigniskette aber auch am Ätna möglich. 

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Tsunami

Tsunami und Überflutungen können durch Eruptionen im oder am Meer, unter Seen, mit Vulkanismus einhergehenden starken Erdbeben oder Hangrutschungen unter Wasser, oder durch in Wasser fließende pyroklastische Ströme oder Lahare entstehen.

Durch Tephrafall oder Lavaströme können sich auch länger nach einer Eruption noch als Nachfolge Flüsse aufstauen. So geschah es auch bei der Laacher See Eruption vor 12.900 Jahren, als durch einen Damm aus Tephra der Rhein aufgestaut wurde und so ein See entstand, der jedoch immer wieder mit Entstehung einer Flutwelle den Damm durchbrach.

Waldbrand

Durch Lavaströme oder pyroklastische Ströme können bei Vulkaneruptionen Waldbrände entfacht werden. Besonders bei effusiven Eruptionen hat dieses Sekundärphänomen oft weitreichendere Folgen als das eigentliche Ausfließen der Lava.

Text: Christina Bonanati, GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

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