Verheerende Waldbrände in Kanada

El Niño sorgt für ungewöhnlich milden und vor allem niederschlagsarmen Winter in weiten Teilen Kanadas.

Anfang Mai 2016 entwickelten sich verheerende Waldbrände rund um die Stadt Fort McMurray in der Provinz Alberta, Kanada. Die Feuer wüteten auf einer Fläche von gut 2.400 km2 (Stand: 12. Mai 2016). Mindestens zwei Menschen verloren ihr Leben, der Sachschaden wird bislang auf über 6 Mrd. € geschätzt. Kanada startete eine der größten Evakuierungsaktionen seiner Geschichte und brachte mehr als 80.000 Einwohner von Fort McMurray in Sicherheit.

Grund für die extreme Trockenheit

Das Wetter in Nordamerika wurde in den letzten Monaten stark vom El-Niño-Phänomen beeinflusst. Die Temperaturen in der Arktis, in Teilen Kanadas, sowie im äußersten Norden der USA waren im Winter 2015/16 wesentlich zu hoch (etwa um 5 Kelvin). Auch die beobachtete polare Meereisbedeckung liegt aktuell mit 11,78 Mio. km2 über 1 Mio. km2 niedriger als zum selben Zeitpunkt 2012. Am 18. September 2012 wurde mit 3,18 km2 die geringste Eisbedeckung nach einem Sommer überhaupt gemessen.

Im Westen Kanadas gab es einen sehr milden und schneearmen Winter. So wurden z.B. in Fort McMurray nur 43 mm Niederschlag von Dezember 2015 bis April 2016 aufgezeichnet. Der langjährige Mittelwert liegt eigentlich bei 82 mm. Hinzu kamen die für Anfang Mai mit 33 °C ungewöhnlich hohen Temperaturen. Normalerweise steigen die Temperaturen nur an rund fünf Tagen pro Jahr auf solche hohen Werte an und das häufig erst im Juli und August. (Quelle: Wunderground). Nach dem schnell abgeschmolzenen Schnee in den vorangegangenen Wochen blieb eine trockene und noch nicht ergrünte Vegetation zurück.

Am 1. Mai entstand rund 15 km von Fort McMurray entfernt ein Waldbrand, der möglicherweise durch einen Blitzschlag ausgelöst wurde. Die ungewöhnliche Hitze und trockene Vegetation, sehr trockene Luft sowie starke Winde (54 km/h im Mittel, Beaufort Skala (Bft) 7, 72 km/h in Böen, Bft 8 am 4. Mai bei 32 °C) begünstigte die Entstehung eines Großbrandes. In der Region sind generell April und Mai die windigsten Monate. Da jedoch die Temperaturen üblicherweise erst im Juli und August hohe Werte erreichen, treten Brände in den borealen Wäldern zumeist erst in den Sommermonaten auf, nicht jedoch in den windstarken Frühlingsmonaten. Die diesjährige Trockenheit verbunden mit ungewöhnlich hohen Temperaturen und windigem Wetter begünstigten deshalb die Ausbreitung der Waldbrände enorm.

Nach dem Durchgang einer ersten Kaltfront am 5. Mai stiegen die Temperaturen erneut deutlich an, eine zweite Kaltfront ermöglichte am 9. Mai eine allmähliche Eindämmung des Großbrands.

In der Region werden Ölsande abgebaut. Um eine Explosionsgefahr an den nah gelegenen Ölproduktionsstätten im Falle eines Übergreifens der Brände zu vermeiden, wurde ein Produktionsstopp veranlasst. Die Feuer sind auch Mitte Mai noch nicht vollständig gelöscht, sie können noch Wochen oder Monate andauern.

Weiterführende Informationen

 Den ausführlichen Bericht können Sie bei Wettergefahren-Frühwarnung nachlesen.

Text und Daten in Kooperation mit CEDIM, einer interdisziplinären Forschungseinrichtung des Karlsruher Instituts für Technologie.

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