In der Nacht zum Montag, den 19. September 2016, ist der Vulkan Turrialba in Costa Rica ausgebrochen. In einer bis zu 4 km hohen Eruptionssäule wurden Asche, Gas und Dampf gefördert. Die Aschewolke breitete sich nach Angaben des Amerikanischen Geologischen Dienstes (USGS) nach West-Südwest aus. Große landwirtschaftliche und dicht bewohnte Gebiete einschließlich der Hauptstadt San José waren davon betroffen. Die zwei Flughäfen mussten vorübergehend geschlossen werden.

Der Vulkan Turrialba ist seit 2010 sehr aktiv. Es gab seitdem jedes Jahr eine Eruption, die Letzte im Oktober 2015. Bereits am Dienstag, den 13. September, ereigneten sich kleinere Ascheemissionen. Genau eine Woche später erreichten sie ihren vorerst letzten Höhepunkt.

Zum Schutz vor der Vulkanasche und dem deutlich wahrnehmbaren Schwefelgeruch waren die Bewohner angehalten, Schutzmasken zu tragen. Zusätzlich zum Auswurf von Asche kann es am Turrialba noch zu pyroklastischen Strömen und Bergrutschungen kommen. Auch Lahare, die dann durch die Täler fließen und sehr gefährlich sind, sind möglich.

In Mittelamerika kommt es immer wieder zu Vulkanausbrüchen. Die Pazifische Platte ist in dieser Region in mehrere Mikroplatten unterteilt. Vor der Küste Costa Ricas taucht die Cocos Platte unter die Karibische Platte ab. Der Vulkan Turrialba ist der östlichste der aktiven Vulkane des Gebirgszugs Cordillera Volcánica Central in Costa Rica. Mit einem Volumen von 290 km³ gehört er zu den größten Vulkanen des Landes. Auf seinem 3.340 m hohen Gipfel gibt es drei Krater und an den Flanken weitere Schlackekegel. Zusammen mit seinem Nachbarn Irazú bildet Turrialba den größten Stratovulkankomplex in Zentralamerika.

Die Bevölkerungsdichte ist in Mittelamerika in der Nähe aktiver Vulkane ähnlich hoch wie in Südostasien. Fast 89 % der Bewohner Costa Ricas leben in Gebieten mit hohem Naturgefahrrisiko. Costa Rica rangiert deshalb weltweit, nach Taiwan, auf Platz zwei in einem Ranking derjenigen Länder, die mehr als drei Naturgefahren ausgesetzt sind1. Zusätzlich zu Vulkanausbrüchen treten Erdbeben und Hurrikans hier auf.

Seit 2006 wird von der Regierung viel in den Katastrophenschutz bzw. -management investiert und von der reinen Katastrophenbewältigung zur -prävention hingearbeitet. Costa Rica und auch Chile haben diesbezüglich in süd- und zentralamerikanischen Staaten eine positive Vorreiterrolle. Das Bewusstsein für Naturgefahren und ein entsprechendes Ausbildungs- und Trainingsprogramm für die Bevölkerung wurden beispielsweise von der Regierung geschaffen. Darüber hinaus wurde in Frühwarnsysteme investiert und eine entsprechende Gesetzgebung geschaffen. Zur Reduktion des Risikos von Naturkatastrophen wurde eine umfassende gesetzliche, finanzielle sowie ein institutionelles "Nationales System zum Katastrophen-Risiko-Management" aufgelegt. Nationale und lokale Risikomanagementpläne und -systeme wurden entwickelt. Notfallmanagement-Komitees werden auf verschiedenen Regierungsebenen koordiniert.

Eine Studie zeigt jedoch, dass die Bevölkerung um ihre Lebensgrundlage und die Infrastruktur besorgt ist und oftmals nur unzureichenden Zugang zu Informationen hat2. Persönliche Erfahrungen und sozio-ökonomische Faktoren haben einen Einfluss auf das Wissen über Naturgefahren und deren Risikowahrnehmung. Trotz Bildungsinitiativen sind einige Bevölkerungsgruppen schlecht oder gar nicht auf Vulkangefahren vorbereitet. Die alleinigen Bemühungen der Regierung und das Vorhandensein von Gesetzen zur Risikoprävention und Notfallmanagement auf nationaler Ebene sind noch nicht ausreichend. Insbesondere müssen Pläne zur Risikominimierung auch auf kommunaler Ebene kommuniziert werden. Ein Problem bei der Verbreitung von Informationen in Zeiten vulkanischer Aktivität, ist geringes Vertrauen der Bevölkerung in Informationen die durch die Medien verbreitet werden. Durch falsches Verstehen und falsche Interpretation von Informationen und Daten entstehen Gerüchte, wodurch die Bevölkerung verunsichert wird. Eine Ursache hierfür ist, dass die Informationen zum Beispiel der offiziellen Vulkan-Observatorien nicht für alle zugänglich sind, denn 2012 hatte noch weniger als die Hälfte der Bevölkerung Internetzugang. Dank der rapiden Verbreitung von Smartphones wird das Katastrophenmanagement allerdings zukünftig transparenter und einfacher.

Literaturhinweis

1The World Bank, 2005: Natural disaster hotspots: A global risk analysis, Washington D.C.
2 van Manen, S.M., 2014. Hazard and risk perception at Turrialba volcano (Costa Rica); implications for disaster risk management. Applied Geography 50. http://dx.doi.org/10.1016/j.apgeog.2014.02.004.

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