Aktuelles Erdbeben

Am 24.11.2016 ereignete sich im Bereich des Tiefseegrabens vor El Salvador in Mittelamerika in geringer Tiefe ein Erdbeben der Magnitudenstärke von Mw 7,0. Die vom Deutschen GeoForschungsZentrum (GFZ) bestimmte Herdlösung deutet auf eine Abschiebung auf einer parallel zum Tiefseegraben streichenden Schwächezone hin. Erdbeben mit diesem Mechanismus werden häufig in der abtauchenden Platte noch vor dem Tiefseegraben beobachtet, wo die Gesteine elastische Biegespannungen erfahren.

Seismotektonik

Im Bereich des Erdbebens vom 24. November 2016 bewegt sich die Cocos Platte mit etwa 73 mm pro Jahr in Nord Ost Richtung und taucht unter Mittelamerika ab. Infolge der Subduktion hat sich vor der Südwestküste Mittelamerikas ein Tiefseegraben und an Land selbst eine enge Kette aktiver Vulkane ausgebildet. Der Eintauchwinkel der abtauchenden Platte beträgt vor El Salvador etwa 55 Grad. Im Jahr 2001 trat etwa 100 Kilometer nördlich des jetzigen Erdbebens ein Beben der Stärke MW 7,7 auf. Dieses führte in Kombination mit ausgelösten Erdrutschen zu mehr als 900 Toten in El Salvador. In westlicher Richtung gab es 1992 ein MS 7,7 Beben.

Mitteltiefe Erdbeben traten unter El Salvador in 1915 mit M 7,4 und unter Costa Rica in 1950 mit einer Stärke von M 7,8 auf. Infolge der großen Relativgeschwindigkeit der Cocos gegen die Karibische Platte treten entlang der Plattengrenze viele Erdbeben auf, welche die abtauchende Platte unter El Salvador bis in etwa 300 km Tiefe nachzeichnen. Im oberen Bereich der Subduktionszone können starke Erdbeben auftreten, die auch Tsunami auslösen können. Ebenso treten Erdbeben auch innerhalb der beiden beteiligten Platten auf, welche zum Beispiel durch Biegespannungen im Gestein verursacht werden. Im Bereich der vulkanischen Kette an Land bauen sich wegen der steil abtauchenden Platte Dehnungsspannungen auf, welche zu Schadensbeben in geringer Tiefe führen können.

Seismische Gefährdung

Sowohl die Südküste El Salvadors wie auch die vulkanischen Zonen in El Salvador unterliegen einer relativ hohen seismischen Gefährdung. Bodenbeschleunigung von 3-4 m/s² werden in den gefährdeten Gebieten über einen Zeitraum von 50 Jahren mit einer Wahrscheinlichkeit von 10 % überschritten. Die Gefährdung kann in Mittelamerika durch Tsunami bei Erdbeben in der Subduktionszone, durch ausgelöste Hangrutschungen oder durch mögliche vulkanische Aktivität infolge von Erdbeben erhöht werden.

Linktipp

Das Deutsche GeoForschungsZentrum, GFZ hat ein Poster und eine Spezialseite mit allen wichtigen Informationen und Karten zusammengestellt.

Poster und Text, Deutsches GeoForschungsZentrum, Sektionen 2.1, 2.4, 2.6 CC BY 4.0