Aktuelles Beben

Am 13. November 2016 trat in Neuseeland etwa 100 Kilometer nordöstlich der Stadt Christchurch ein starkes Beben der Magnitude MW 7,8 (Geofon) in geringer Tiefe auf. Nach ersten Lokalisierungen liegt das Epizentrum nahe der Küste. Die Abstrahlung der seismischen Wellen deutet auf einen Überschiebungsmechanismus hin, wie er an Subduktionszonen typisch ist. Allerdings lassen sich die Wellenformen durch einen reinen Abschiebungsmechanismus nur unvollständig erklären. Diese Tatsache, die für ein Beben dieser Magnitude ungewöhnlich lange Dauer des Bruchvorgangs von ca. 120 s und das Auftreten eines Sub-Ereignisses im Verlauf dieses Bruchs deuten auf einen komplexen Bruchvorgang hin. Möglicherweise wurden dabei unterschiedliche Verwerfungen aktiviert.

Seismotektonik

Neuseeland liegt am östlichen Rand der Australischen Platte und ist eine der aktivsten Erdbebenregion weltweit. Im Bereich des Bebens vom 13. November 2016 bewegt sich die Pazifische Platte mit etwa 5 cm/Jahr auf die Australische Platte zu. Die Pazifische Platte taucht vor der Ostküste der nördlichen Insel und die Australische Platte taucht vor der Westküste der südlichen Insel unter Neuseeland ab. Zwischen den beiden Plattengrenzen hat sich eine prominente Transformverwerfung ausgebildet (Alpine Fault). Auf allen drei Hauptplattengrenzen treten Starkbeben auf. Zusätzlich ist Neuseeland durch flache Beben auf sekundären, krustalen Verwerfungen betroffen.

Das Erdbeben vom 13. November 2016 ist nach bisherigen Auswertungen das stärkste, instrumentell gemessene Erdbeben direkt auf Neuseeland. Das bisher stärkste Ereignis mit einer Magnitude von etwa MW 7,7 trat 1931 auf der Nordinsel mehr als 500 km nordöstlich auf. Auf der Südinsel nahe der Stadt Christchurch gab es im September 2010 und im Februar 2011 außerdem zwei starke, krustale Beben mit Magnituden von MW 7,1 und MW 6,3. Das Nachbeben vom Februar hatte erhebliche Schäden verursacht und 185 Todesopfer gefordert. Historische Erdbeben vor der instrumentellen Erfassung hatten auf Neuseeland Magnituden von über M 8 erreicht.

Neuseeland ist von drei aktiven Erdbebenzonen entlang der Plattengrenzen und von Vulkanismus betroffen. Entsprechend sind die seismischen Zonen relativ komplex, und es können Aufschiebungen nahe der vorliegenden Tiefseegräben, sowie Blattverschiebungen in der Alpine Fault oder andere krustale Erdbeben auftreten. Zusätzlich werden Tiefherdbeben entlang der abtauchenden Platten gefunden.

Seismische Gefährdung

Die seismische Gefährdung ist auf Neuseeland relativ hoch. So liegt entlang der Plattengrenzen die statistisch innerhalb von 50 Jahren zu erwartende Bodenbeschleunigung in 10 % aller Fälle über 5-6 m/s². Große Städte wie Wellington (ca. 382.000 Einwohner) und Christchurch (ca. 364.000 Einwohner liegen innerhalb der Bereiche großer seismischer Gefährdung.

Das Erdbeben der Magnitude MW 7,8 vom 13. November 2016 hat einen Tsunami vor der Ostküste Neuseeland ausgelöst. Direkt am Epizentrum wurde unmittelbar nach dem Erdbeben ein erhöhter Pegelstand von etwa 1,5 m und in Wellington ein Pegelstand von 0,5 m gemessen. Aufgrund der Stärke und der geringen Tiefe des Erdbebens direkt im Küstenbereich ist mit Schäden durch die seismischen Erschütterungen zu rechnen. Die Dauer der Erschütterung der erstankommenden Primärwelle wurde vom Deutschen GeoForschungsZentrum auf mindestens 120 Sekunden abgeschätzt.

Linktipp

Das Deutsche GeoForschungsZentrum, GFZ hat ein Poster und eine Spezialseite mit allen wichtigen Informationen und Karten zusammengestellt.

Poster und Text, Deutsches GeoForschungsZentrum, Sektionen 2.1, 2.4, 2.6 CC BY 4.0