Warnsysteme für Vulkanausbrüche

Vulkanausbrüche können nur bedingt vorhergesagt werden. Weltweit existieren verschiedene Warnsysteme, um ein Mindestmaß an Sicherheit zu gewährleisten.

Warn- und Alarmsysteme für Vulkanausbrüche existieren weltweit. Die Systeme geben Prognosen auf Grundlage von Monitoring und Datenanalyse von Vulkanen. Sie sind die Komponente eines Frühwarnsystems, welches Warnungen und Notfallinformationen vor und während eines Vulkanausbruchs kommuniziert. Die Beobachtung von Eruptionsphänomenen und die Integration von geodätischen und seismischen Vorläufer-Signalen sowie des Gasflusses und das Erkennen und Interpretieren von Magmaausbreitung sind für die rechtzeitige Warnung der Regierungen und vor allem der lokalen Bevölkerung wichtig. Die Risiken und Folgen eines Vulkanausbruchs können hiermit minimiert werden. Gefahren am Boden und in der Luft werden voneinander getrennt, da sie möglicherweise unabhängig voneinander auftreten – bspw. kann ein schnellfließender pyroklastischer Strom mit einer minimalen Ascheproduktion einhergehen.

In den USA werden für den Boden und Flugverkehr separate und standardisierte Vulkan-Warnsysteme verwendet. Zur Verbesserung der Kommunikation von Gefahren bei vulkanischer Aktivität mit Nichtwissenschaftlern sowie Meteorologie- und Luftfahrtbehörden wurde vom US Geological Survey (USGS) das farbcodierte Vulkan-Alarm-System für die Luftfahrt etabliert. Erstmals wurde es vom Alaska Volcano Observatory (AVO) beim Ausbruch des Mount Redoubt 1990 eingeführt. Es handelt sich hierbei um ein einfaches Alarmschema, dass die sich ändernden Gefahren und Bedingungen am Vulkan beschreibt und aus vier Stufen besteht. Für den Flugverkehr sind es Grün, Gelb, Orange und Rot. Neben den USA kommt es in Russland, Neuseeland, Island und teilweise auf den Philippinen, Papua-Neuguinea und Indonesien zum Einsatz. Das Farbcode-Warnsystem wird auf verschiedene Situationen und Vulkane angepasst. Heute erkennt ein weltweites System von neun Volcanic Ash Advisory Centers (VAACs) die aktuelle Position von Aschewolken und ihren möglichen Verlauf. Im Falle des Bardarbunga-Ausbruchs auf Island 2014 stand der Aviation Color Code (ACC), der Warnstufe für den Flugverkehr, an einem Tag auf der Stufe Rot. Flugzeuge durften demnach rund um den Vulkan nicht fliegen. Der Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull 2010 sorgte für ein mehrtägiges Flugverbot über Europa und damit auch einen großen wirtschaftlichen Schaden.

Neuseeland verwendet ebenfalls zwei standardisierte Vulkan-Warnsysteme: eine für Gefahren an häufig aktiven Vulkanen und eine für unruhige und reaktivierte Vulkane. Sie basieren auf einer numerischen Skala von 0 bis 5.

In Japan werden Warnungen und Vorhersagen seit 2007 vom Japanischen Meteorologischen Dienst (Japan Meteorological Agency) ausgegeben. Der "Volcanic Alert Level" für aktive Vulkane soll die Öffentlichkeit informieren und die Risiken und Auswirkungen bei Ausbrüchen mindern. Dies wird individuell für jeden Vulkan getan. Die gefährdeten Regionen rund um den Vulkan, in denen für die Bevölkerung ein Maßnahmenkatalog existiert, sind klar definiert. Warnungen werden durch die Medien, Präfekturen und Gemeinden übermittelt. Im Gegensatz zu den Warnsystemen in den USA und Neuseeland, die nur auf der aktuellen Aktivität eines Vulkans basieren, sind beim japanischen System gefährdete Regionen festgelegt, sowie die Möglichkeit einer Evakuierung und das erwartete Ausmaß einer vulkanischen Aktivität genannt. Dabei spielt die Entfernung zum Vulkan bzw. Krater jeweils eine entscheidende Rolle. Auf der Grundlage von Katastrophenschutzmaßnahmen gibt es fünf Alarmstufen. Die jeweilige Stufe berücksichtigt den mutmaßlichen Bereich, den pyroklastische Ströme, ballistische Bomben und Lahare erreichen können. Zuletzt war im August 2015 für den unmittelbar in der Nähe des Atomkraftwerks Sendai liegenden Vulkan Sakurajima die zweithöchste Warnstufe ausgegeben worden.

In den meisten Entwicklungsländern werden ebenfalls Warnsysteme angewandt, die die Beratung der Behörden und des Notfallmanagements bezüglich Mitigationsmaßnahmen (Schadenminderung) oder Evakuierung beinhalten.

Literatur/Quellen

Fearnley, C. J., McGuire, W. J., Davies, G. & Twigg, J. Standardisation of the USGS Volcano Alert Level System (VALS): Analysis and ramifications. Bull. Volcanol. 74, 2023–2036 (2012).
Kato, K. & Yamasato, H. The 2011 eruptive activity of Shinmoedake volcano, Kirishimayama, Kyushu, Japan-Overview of activity and Volcanic Alert Level of the Japan Meteorological Agency. Earth, Planets Sp. 65, 489–504 (2013).
Guffanti, M. & Miller, T. P. A volcanic activity alert-level system for aviation: Review of its development and application in Alaska. Nat. Hazards 69, 1519–1533 (2013).
Ikeuchi, K. & Yokota, T. Volcanic disaster prevention countermeasures in terms of evacuation systems at eruptions and related phenomena. in Abstract of Cities on Volcanoes 5 (2007).


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