Erwarte das Unerwartete - Verhalten an aktiven Vulkanen

Eine gute Vorbereitung auf Touren an aktiven Vulkanen kann Leben retten. Empfehlungen von Experten des Deutschen GeoForschungsZentrums GFZ.

Nicht jeder hat das Glück oder Pech bei einer Wanderung über einen aktiven Vulkan dessen Kraft spüren zu können. Mancherorts dampft und brodelt es, und doch kommt es bei unvorbereiteten Wanderern bereits schon oft zu simplen Erfrierungen. Die Höhe eines Vulkans variiert zwar naturgemäß, doch liegen sie meist in großer Höhe, allein der Ätna auf mehr als 3200 Metern. „Aktiv“ über dem Meeresspiegel sind weltweit momentan rund 1500 Vulkane. Sie sind also mindestens einmal in den letzten 10.000 Jahren ausgebrochen. Die Seltenheit dieser Ereignisse macht sie so faszinierend: Nur 50-70 Vulkanausbrüche werden jedes Jahr gezählt. Dementsprechend lockt das Naturschauspiel zahlreiche Besucher an. Doch zu komplex sind die Wechselwirkungen zwischen Magma, Wasser, Erdbeben und Wettergeschehen, als dass Vulkane wirklich verstanden sind. Daher ist eine Reise zu aktiven Vulkanen immer mit Unsicherheiten verbunden. Selbst Experten können bestenfalls Wahrscheinlichkeiten zu bevorstehenden Vulkanausbrüchen angeben. So sind Prognosen stets vor Ort durch jeden Einzelnen kritisch zu prüfen.

Ein erster Hinweis  auf die Gefährlichkeit eines Vulkans verbirgt sich zunächst in dessen Form: fallen die Hänge eher sanft und flach ab, so handelt es sich um einen effusiven Typ. Dessen Lavaströme fließen in der Regel langsam, fast friedlich. Sie finden sich beispielsweise auf Hawaii. Tiefe Krater und sehr steil abfallende Hänge hingegen lassen auf einen Vulkan explosiven Typs schließen. Der Vesuv in Italien lässt sich hier klar zuordnen. Ein hoher Gasanteil im Magma in Kombination mit sehr zähfließenden Magmen machen dieses explosive Gemisch. Vulkane dieses Typs brechen unvorhersehbar aus, schleudern Gestein und Lava hoch und kilometerweit. Der Ätna gehört zum gefährlichen Zwischentyp. Er wechselt zwischen verheerenden Ausbrüchen und Phasen mit langsam fließender Lava. Manche „aktive“ Vulkane sind wiederum kaum zu erkennen. Sie bilden einzig Krater. Ausbrüche an einem Vulkan folgen zwar oft einem wiederkehrenden Muster, mit definierten Vorboten, Eruptionsformen, Stärke und Höhe einer Eruption, sowie ungefähr abschätzbaren Ruhephasen. Dennoch gilt: Prognosen sind Wahrscheinlichkeitsberechnungen. Einige Vulkane sind so selten aktiv, dass Ausbruchsmuster für Wissenschaftler nur schwer zu bestimmen sind.

Im Vorfeld einer Wanderung

Das A und O in der Vorbereitung ist der Blick auf die Wettervorhersage. Erfahrene Bergwanderer wissen, wie schnell sich das Wetter in der Höhe ändern und wie deutlich es sich vom Tal unterscheiden kann. Vorab sollten auch vertraute Personen Kenntnis über Ziel, Route und Rückkehr haben. Zwingend ist das Einholen von aktuellen Informationen über den Vulkan vor Ort. Idealerweise wird ein lokaler Reiseführer angeheuert. Lebenswichtig ist das insbesondere dann, wenn in Notsituationen ansonsten nicht kommuniziert werden kann, keiner der Landessprache mächtig ist. Gefährdungskarten geben unter anderem Auskunft über die verschiedenen Evakuierungszonen, mögliche Vorboten wie Erschütterungen, starke Entgasung oder wahrscheinliche Fließrichtungen von Lavaströmen. Nur mit diesem Wissen sind (mehrtägige) Wanderungen zu planen. Bei häufig aktiven Vulkanen, d.h. Ausbrüchen im Abstand von Monaten oder Jahren, sollte schon bei der Ankunft der Fluchtweg geplant werden. So könnte beispielsweise das Auto bereits bei der Ankunft gewendet werden. Schutzkleidung wie Helme und Atemschutz sind generell ein Muss. Sorgfältige Planung heißt auch die Länge, Höhendifferenz und Schwierigkeit der Route zu kennen und Zeit zur Akklimatisation einzuberechnen. Denn bei Touren über 3000 m muss der Körper an die Höhe allmählich gewöhnt werden.

Gefahren und Verhalten im Falle von Ausbrüchen

An einem aktiven Vulkan zu wandern ist mitunter sehr ungesund. Der menschliche Geruchssinn täuscht hier nicht. Ein fauliger Geruch nach verdorbenen Eiern, ist ein Zeichen für den Schwefel in der Luft. Vulkanische Gase sind teils stark ätzend und unangenehm. Salzsäure, Schwefelsäure und andere Cocktails lassen nichts Gutes erahnen. Von leichter Atemnot bis hin zur Erstickungsgefahr ist alles möglich. Zudem können die Gase die Sehfähigkeit beeinträchtigen. Wissenschaftlern helfen die Veränderungen in der chemischen Zusammensetzung und der Temperatur der vulkanischen Gase. Sie dienen als ein Indiz für einen bevorstehenden Ausbruch.

Die höchste Gefährdung geht von Glutlawinen (pyroklastischen Strömen) aus. Diese heiße Wolke oder Glutlawine besteht aus einem Gemisch von Gasen, Gesteinsbrocken, Asche und Staub und schnellt mit bis zu 200 km/h hangabwärts. Glutlawinen waren im 19. und 20. Jahrhundert für rund  75 % aller Todesopfer an Vulkanen ursächlich. Sie sind leise, haben ein ähnliches Erscheinungsbild wie Schneelawinen, sind aber über 300 °C heiß. Fatalerweise rasen sie nicht nur talabwärts, sondern können durch ihre Energie auch Höhenlagen an Gegenhängen in mehreren Kilometern Entfernung hinauf laufen. Sich nicht in völliger Sicherheit wiegen, auch an gegenüberliegenden Hängen, wäre hier der Hinweis. Zum Schutz vor herabfallenden Gesteinsbrocken gilt grundsätzlich folgende Daumenregel: Je näher am Vulkankrater, desto größer und häufiger sind die Bruchstücke von Gesteinen. Spürt der Wanderer Erschütterungen dienen diese oft als Vorboten von Ausbrüchen. Sie begleiten aber auch die Eruptionen selbst. Bei kurzen, dampfgetriebenen Explosionen mit Auswurfmaterial, sogenannten Bomben, ist zu empfehlen, nicht nur wegzulaufen, sondern auch die Flugbahn der Partikel zu erkennen und gegebenenfalls die Richtung des Fluchtweges zu ändern. Dann das Halstuch anfeuchten und beim Atmen nutzen, die Schutzbrille aufsetzen und zügig absteigen. Bei den meisten Vulkangefahren ist zu empfehlen, nicht entlang von tiefen Tälern, sondern entlang von höher gelegenen Zonen abzusteigen, um sich nicht Materialbewegungen oder pyroklastischen Strömen auszusetzen. Der Schutz hinter größeren Blöcken ist kein Schutz – eine möglichst große Entfernung zum Explosionskrater schützt am besten.

Urlaub in Gebieten mit vulkanischer Aktivität

Auch ohne Wanderung auf dem Vulkan, sollten für Vulkangebiete am besten schon Wochen vor einer Reise Informationen eingeholt werden. Denn oftmals werden Sirenen zur Warnung der Bevölkerung eingesetzt, wenn eine Gefahr droht. Jede Region, jedes Land verfügt dabei über etwas abweichende Warnsysteme (Ampelsystem). Insbesondere auf Ozeaninseln können vulkanische Aktivitäten zudem von Rutschungen und Tsunamis begleitet werden. Beim Besuch von Hafenanlagen und Stränden während Vulkanausbrüchen muss deshalb auf Wasserstand geachtet werden. Reisen in vulkanische Gebiete bergen noch eine andere Gefahr: während der Regenzeiten in den Tropen oder der Wirbelsturmsaison mobilisieren Schlammströme leicht lose Asche und Geröll, dies in teilweise gewaltigen Massen.

Wer diese Vorsichtsmaßnahmen beachtet, macht den Besuch eines Vulkans zu einem eindrucksvollen und sicheren Erlebnis.

Text, Fotos und Grafiken soweit nicht andere Lizenzen betroffen: eskp.de | CC BY 4.0
eskp.de | Earth System Knowledge Platform – die Wissensplattform des Forschungsbereichs Erde und Umwelt der Helmholtz-Gemeinschaft

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