Am 6. Januar 2016 (01:30 UTC) wurde in Nordkorea in der Region des Atombomben-Testgeländes Punffyue Ri ein seismisches Ereignis registriert. Die Herdtiefe war vermutlich sehr gering bei ungefähr einem Kilometer. Die Auswertung des Deutschen GeoForschungsZentrums (GFZ) in Potsdam ergab eine Raumwellenmagnitude von mb 5,3.

Seismotektonik
In dem Testgebiet bei Punffyue Ri wurden mindestens drei Kernexplosionen am 9. Oktober 2006 (mb 4,3), 25. Mai 2009 (mb 4,7) und am 12. Februar 2013 (mb 5,1) gezündet. Die Ähnlichkeit der Wellenformen sowie die flache Herdtiefe legen nahe, dass es sich bei dem Ereignis vom 6. Januar 2016 ebenfalls um eine starke Detonation handelt. Eine endgültige Bestätigung für die Zündung einer Wasserstoffbombe, wie von Nordkorea nach eigenen Angaben behauptet, kann erst nach der Auswertung unterschiedlicher Daten erfolgen. Die Seismizität im Bereich des Ereignisses ist allgemein gering und liegt deutlich entfernt zu tektonischen Plattengrenzen.

Seismische Gefährdung
Die Gefährdungskarte zeigt im Bereich des seismischen Ereignisses eine sehr geringe Gefährdung durch tektonische Erdbeben. Starke Explosionen der Magnitudenstärke mb 5,3 können bei geringer Herdtiefe lokal zu Schäden führen, ebenso wie tektonische Erbeben vergleichbarer Stärke.

Unterscheidung zwischen Explosion und Erdbeben
Im Idealfall kann die Seismologie mit folgenden Methoden zwischen Explosion und Erdbeben unterscheiden:
- Abstrahlcharakteristik: Erdbeben sind Scherbrüche, was auf den Seismogrammen bei den Ersteinsätzen zu Quadranten mit unterschiedlichem Vorzeichen führt, bei Explosionen (allseitige Expansion) sind die Ausschläge an allen Stationen positiv.
- Frequenzgehalt: Bei Explosionen sind diese, besonders im P-Einsatz (Einsatz der Primärwelle), höher als bei Erdbeben.
- Das Verhältnis zweier Magnitudenvarianten (mb/MS): Bei Erdbeben sind die MS-Werte bei gleicher mb größer als bei Explosionen.
- Herdtiefe: Bei Explosionen ist sie meist sehr gering, da ja die Sprengladungen an der Erdoberfläche oder in geringen Teufen gezündet werden.

Eine Unterscheidung von chemischen Explosionen (z.B. mit Dynamit), durch Kernspaltung oder Kernfusion als Energielieferant ist mit der Seismologie nicht möglich. Wichtig sind dazu Messungen zur Erhöhung der Konzentration radioaktiver Stoffe in der Atmosphäre.

Text und KartenGFZ: Sekt. 2.1, 2.4, 2.6  CC BY 4.0  sofern keine anderen Lizenzen betroffen.