Notfallmanagement bei Naturkatastrophen

Katastrophenvorsorge und -management werden für Ballungsgebiete zunehmend wichtiger. Wissenschaftler entwickeln hierzu innovative Methoden.

Um die Auswirkungen und Schäden durch starke Erdbeben insbesondere für Ballungszentren und Städte schnell ermitteln zu können, haben Wissenschaftler des Deutschen GeoForschungsZentrums (GFZ) neue Methoden und Computerprogramme entwickelt. CARAVAN heißt die Software, die mit Unterstützung des europäischen Forschungsprojektes (SENSUM) entstanden ist und nun für Kirgistan und in naher Zukunft auch für die anderen zentralasiatischen Staaten zur Verfügung steht.

Mit Hilfe dieses Programmes können unmittelbar nach einem Erdbeben Endanwendern wie Katastrophenschutz-Behörden wichtige Informationen über Ort und Stärke des Bebens sowie über die makroseismische Intensität und die zu erwartenden Folgen bzw. Schäden übermittelt werden.
Die makroseismische Intensität ist ein aus Beobachtungen abgeleitetes Maß zur Ermittlung der Auswirkungen eines Erdbebens auf Gebäude und Infrastrukturen. Zumeist nimmt die Intensität mit zunehmender Entfernung zum Erdbebenzentrum ab. Aufgrund unterschiedlicher Verwundbarkeit des Gebäudebestandes, kann es allerdings auch Regionen geben, die trotz unmittelbarer Nähe weniger stark betroffen sind, als entfernter gelegene Gebiete. Die Intensitätsskalen sind in der Tabelle EMS-98 zusammengefasst. Bei der Risikoanalyse berücksichtigt CARAVAN sowohl die Bevölkerungsdichte als auch die bauliche Güte von Infrastrukturen.

Durch eine schnelle und zuverlässige Abschätzung von Verletzten und Gebäudeschäden können Zivilschutzbehörden medizinische Maßnahmen und Bergungsarbeiten gezielt einleiten.

Eingesetzt wird die Software bereits im Ministerium für Katastrophenschutz in Kirgistan. In enger Zusammenarbeit des Zentrums für Frühwarnung des GFZ mit dem Zentralasiatischen Institut für Angewandte Geowissenschaften (ZAIAG) wird die Software stetig weiterentwickelt, um noch schneller und effizienter auf die Auswirkungen starker Erdbeben reagieren zu können. Aber nicht nur mit Software unterstützen die Wissenschaftler das Krisenmanagement in der Region, sondern auch mit Ausbildungs- und Trainingsprogrammen sowie dem Aufbau von Kommunikationswegen. Darüber hinaus sollen zusätzliche Messgeräte zur Erfassung von Starkbeben in der Region im Rahmen der Helmholtz-Initiative ACROSS aufgebaut werden. Nach einer ausreichenden Testphase kann  das System dann als Teil eines regionalen Erdbeben-Frühwarnsystems eingesetzt werden.

Unmittelbar erstellte Lageberichte

Auswertung des Erdbebens vom 22. Januar 2015
Am 22. Januar 2015 um 15:52 UTC bebte 57 km südlich von Bishkek, der Hauptstadt Kirgistans die Erde mit einer Stärke von 4,8 (mb) (Daten: GEOFON). Da sich das Erdbeben in einer dünn besiedelten, ländlichen Region ereignete, ist mit keinen oder nur wenigen Opfern und geringen Gebäude- und Sachschäden zu rechnen. Details sind im Bericht des Zentrums für Frühwarnung des GFZ nachzulesen.
Auswertung des Erdbebens vom 17. November 2015
Am 17. November 2015 um 17:29 UTC bebte 45 km östlich von Osh eine Stadt in Kirgisistan mit ca. 260.000 Einwohnern die Erde. Das Beben hatte nach Angaben des GEOFON-Messnetzes, welches vom GFZ betrieben wird eine Stärke von 5,8.
Da sich das Erdbeben in einer dünn besiedelten, ländlichen Region ereignete, blieb der Schaden gering. Details zur makroseismischen Intensität und Vulnerabilität sind im Bericht des Zentrums für Frühwarnung des GFZ nachzulesen.

Text, Fotos und Grafiken soweit nicht andere Lizenzen betroffen: eskp.de | CC BY 4.0
eskp.de | Earth System Knowledge Platform - die Wissensplattform des Forschungsbereichs "Erde und Umwelt" der Helmholtz-Gemeinschaft.

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