Keine Chancengleichheit beim Hochwasserschutz

Ein Jahr nach dem Juni-Hochwasser 2013 in Mitteldeutschland. Laut einer Studie werden die Unterschiede beim Hochwasserschutz größer.

In einer im Mai 2014 veröffentlichten Studie des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung in Leipzig wurden die Folgen des Hochwassers 2013 auf die Menschen in Sachsen untersucht.

Das Hochwasser 2013 war eines von zahlreichen in Deutschland in den letzten Jahren. Dabei war der Freistaat Sachsen immer wieder besonders stark betroffen. Angefangen vom schadenträchtigen Hochwasser an Elbe und Mulde 2002, über das ebenfalls mit großen Schäden verbundene Hochwasser an der Neiße von 2010 bis hin zu den Fluten an der Elbe und Mulde von 2013.

Langanhaltende und ergiebige Niederschläge hatten im Zusammenspiel mit extrem ungünstigen Vorbedingungen zu einem großräumigen Hochwasserereignis geführt. Das Ausmaß wurde durch die extreme Sättigung des Bodens maßgeblich verstärkt. Die Sättigung war eine Folge des insgesamt sehr feuchten Mai.

Folgende Fragenwaren Schwerpunkt der Studie:

• Was waren die Auswirkungen der verschiedenen Hochwasserereignisse seit
   2002, wie werden sie subjektiv wahrgenommen und was sind die
   langfristigen Folgen?
• Wie vorbereitet fühlen sich die Befragten, welche Rolle spielt private Vorsorge
   und der Erwerb von Versicherungspolicen gegen Elementarschäden?
• Wie gut fühlen sich die Befragten informiert, welche Informationsquellen
   nutzten und welchen vertrauten sie?
• Welche Rolle spielen Beteiligungsprozesse in der Hochwasservorsorge und
   welche Meinung wird dazu vertreten?

Insgesamt wurden knapp 1.000 Personen in sächsischen Städten an der Elbe, Mulde, Neiße und in Orten der Oberlausitz befragt.

Generell sind die Schäden durch die Investitionen in den Hochwasserschutz nach 2002 zurückgegangen. Insbesondere in den beispielsweise durch Deiche gut geschützten Gebieten konnten Schäden entweder verhindert oder erheblich reduziert werden. Gleichzeitig waren es vor allem die Hochwasserereignisse selbst, die dazu führten, dass häufiger in private Vorsorge investiert bzw. Versicherungen abgeschlossen wurden. Für die Wissenschaftler am UFZ ist allein eine ereignismotivierte und –getriebene Vorsorge jedoch nicht ausreichend. Grund hierfür sind vor allem die hohen Kosten. Hochwasservorsorge sollte vielmehr eine Alltäglichkeit sein.

Studie: Stärkere Schutzgerechtigkeit nötig

Die Studie offenbart zunehmende Chancenunterschiede. Es sind vor allem die Bewohner und Unternehmen gut geschützter Städte, die vom derzeitigen technischen Hochwasserschutz profitieren. Die Kosten für diese Schutzmaßnahmen sind steuerfinanziert. Die weniger gut geschützten, kleineren Kommunen verlieren daher hingegen meist doppelt. Sie müssen die weitergereichte Hochwasserlast der größeren Städte auffangen. Die Kosten für Schäden durch häufigere Überschwemmungen der eigenen Kommunen tragen sie meist individuell.

Die Wissenschaftler vom Umweltforschungszentrum fordern in ihrer Studie unter anderem eine stärkere Schutzgerechtigkeit. Diese bezieht sich auf das Vorhandensein von technischen Schutzbauten, die Verteilung von Kosten und Nutzen sowie die Frage nach der Art der Verteilung dieser. Nicht allen Städten, Kommunen und Bürgern kann der gleiche Schutz gewährt werden. Jedoch sollte die Forderung nach einer privaten Vorsorge nicht in Appellen verhallen, sondern institutionell verankert werden. Hierfür müssen beispielsweise hochwasserexponierte Gebiete in der Raumplanung ausgewiesen werden sowie hochwasser-angepasstes Bauen und Sanieren die Regel sein.

Des Weiteren schlagen die Wissenschaftler die Prüfung einer möglichen Pflichtversicherung vor, bei der entstandene Schäden solidarisch umgelegt werden könnten. Empfohlen wird zudem eine stärkere Einbindung der Bürger in Entscheidungsprozesse.

Text, Fotos und Grafiken soweit nicht andere Lizenzen betroffen: eskp.de | CC BY 4.0
eskp.de | Earth System Knowledge Platform – die Wissensplattform des Forschungsbereichs Erde und Umwelt der Helmholtz-Gemeinschaft

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