Geophysikalische Hintergründe zum Erdbeben in Myanmar

Am 13. April 2016 hat sich in Myanmar ein Erdbeben mit einer Magnitude von 6,9 ereignet.

Das Beben trat in einer mittleren Tiefe von 136 km auf. Die Nachbebenaktivität innerhalb der ersten 24 Stunden war vergleichsweise gering; lediglich ein Beben mit einer Magnitude von M4,6 wurde aufgezeichnet. Der Herdmechanismus, d.h. der Verlauf des Erdbebens, ist typisch für mitteltiefe Beben in der Arakan-Subduktionszone und deutet auf eine Überschiebung in Nord-Nordöstliche Richtung hin.

Seismotektonik:

Die Indische Platte schiebt sich an ihrem östlichen Ende unter die Sundaplatte. Am nördlichen Ende des Sumatra-Andaman Tiefseegrabens liegt Myanmar und die Rahkine (Arakan) Subduktionszone (schematische Darstellung einer Subduktionszone). Durch die Subduktion entstand auf dem Festland der N-S gerichtete Rahkine-Gebirgszug und rückgelagert ein inländisches Sedimentbecken, welches weiter im Osten entlang der Sagaing-Verwerfung an das Shan Plateau der Sundaplatte grenzt. 

Während sich die indische Platte mit einer Geschwindigkeit von 36 mm/Jahr schräg unter das Rahkine Gebirge in Myanmar schiebt, erfahren die tektonischen Blöcke entlang der Sagaing-Verwerfung eine relative horizontale Bewegung von nur etwa 18 mm/Jahr (rechtslaterale Blattverschiebung). Der Gesamtversatz der 1.200 km langen Sagaing-Verwerfung beträgt immerhin 460 km.
Historische Aufzeichnungen belegen ein Starkbeben der Magnitude MW 8,8 entlang der Rahkine-Subduktion am 2. April 1762 (Bucht von Bengal), bei dem sich der Küstenbereich Myanmars um mehr als 6 m gehoben hat. Entlang der Küste deuten die Spuren von gehobenen marinen Sedementgesteinen auf weitere, historische Starkbeben hin, wobei anhand von die Altersdatierungen an fossilen Korallen mindestens drei Starkbeben zwischen 1395-740 v. Chr., 805-1220 n. Chr. und 1585-1810 n. Chr. nachgewiesen werden konnten. Die Spur der Subduktion unter Myanmar ist zwischen 21 und 26 Grad nördlicher Breite durch mitteltiefe Erdbeben bis etwa 140 km Tiefe belegt. Südlich von 21°N fehlen allerdings mitteltiefe Erdbeben. Im zentralen Becken sind im Bereich des Tiefherdbebengürtels auch Vulkankomplexe nachzuweisen. Im Süden fehlen diese jedoch. Starkbeben wurden sowohl im überliegenden Bereich der Subduktionszone wie auch entlang der Sangaing Verwerfung (SF) instrumentell aufgezeichnet.

Seismische Gefährdung

Die seismische Gefährdung ist in Myanmar und in der Grenzregion zu Indien insgesamt relativ hoch. Starkbeben wurden sowohl im überliegenden Bereich der Subduktionszone wie auch entlang der Sangaing-Verwerfung instrumentell aufgezeichnet. Die Beispiele zeigen Beben im Bereich von Yangon im Jahr 1930 (M 7,3 bei Pegu und M 7,3 bei Puy), ebenso wie entlang der Sangaing-Verwerfung bei 24°N (MW 7,7, 1946) und bei 25°N (MW 7,6, 1931).
Statistisch gesehen werden im Bereich des Epizentrums des Bebens vom 13. April 2016 Bodenbeschleunigungen von 5 m/s2 über 50 Jahre mit einer Wahrscheinlichkeit von 10% überschritten. Die oberflächennahen Blattverschiebungsbeben entlang der Sagaing-Verwerfung hatten in der Vergangenheit erhebliche Schäden verursacht. Eine weitere Gefährdung geht von Erdbeben nahe der Küste oberhalb oder in der Subduktionszone aus. Historische und geologische Daten geben hier Hinweise auf Tsunami-Beben, die heutzutage dicht besiedelte Küstenstreifen betreffen würden.

Poster und Text, Deutsches GeoForschungsZentrum, Sektionen 21., 2.4, 2.6 CC BY 4.0.

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