Das Tadschikistan-Erdbeben vom 7. Dezember 2015 hatte eine Magnitude von 7,2. Es ereignete sich im Pamir-Gebirge innerhalb der Eurasischen Platte und trat in nur etwa 11 km Tiefe auf. Die Herdlösung des Deutschen GeoForschungsZentrums (GFZ) belegt eine horizontale Bewegung der Gesteinsschollen entlang einer NE-SW oder einer NW-SE streichenden Verwerfung. Historische Beben in der Region traten auf der NE streichenden Darvaz-Verwerfung auf, die auch für das jetzige Ereignis verantwortlich sein könnte.

Die Gebirgsregion in der sich das Erdbeben ereignet hat, ist dünn besiedelt. Die nächstgelegene Stadt (Murghob) mit etwa 11.000 Einwohnern ist etwa 100 km entfernt. Nach Informationen, die bis zum bis zum 8. Dezember 2015 vorlagen, sind durch das Erdbeben mehrere Menschen infolge von ausgelösten Hangrutschungen gestorben. Steigende Opferzahlen sind auf Grund der schweren Zugänglichkeit der Region schweren Zugänglichkeit nicht auszuschließen.

Die Indische Platte bewegt sich auf dem 73. Längengrad mit etwa 3,8 cm pro Jahr auf die Eurasische Platte zu und und schiebt sich teilweise unter diese. Als Folge der Kollision sind die höchsten Gebirge der Erde entstanden, der Himalaya, Karakorum, Pamir und Hindu Kush. Aufgrund der nördlich gerichteten, kompressiven Spannung durch die Kollision weicht der Pamir-Gesteinskomplex in westliche Richtung aus und erzeugt im Inneren des Pamir die Darvaz Blattverschiebung, auf der sich die Gesteinschollen in sinistraler (linksseitiger) Richtung gegeneinander verschieben.

Bereits am 18. Februar 1911 gab es in dieser Region in vergleichbarer Tiefe ein Erdbeben der Magnitude M7.7, welches ebenfalls als Blattverschiebung charakterisiert wurde. Das Pamir-Beben von 1911 bei Sarez hatte allerdings einen extrem großen Hangrutsch ausgelöst (ca. 2,2 km3), der das Dorf Usoy unter sich begrub. Durch die Blockierung des Murgab-Flusses entstand der größte, natürliche Stausee der Erde, der Sarez-See mit einem Volumen von 17 km3. In einigen hundert Kilometern Entfernung zu dem Beben vom 7. Dezember 2015 traten zu Beginn des 20. Jahrhunderts mehrere M >7,5 Erdbeben auf. In Folge der plattentektonische Deformation ereignen sich in der Pamir-Region immer wieder Starkbeben. So werden mitteltiefe Erdbeben zwischen 80 und 240 km Tiefe gemessen, die durch die Subduktion der indischen Platte in Nordrichtung und möglicherweise die gleichzeitige Subduktion eines Splitters der Eurasischen Platte in Südrichtung erzeugt werden. In der oberen Kruste des Pamirs können über eine breite Zone Erdbeben mit Magnituden bis M8 auftreten.

Weitere Informationen
Die vollständigen Hintergründe haben die Sektionen 2.1 Erdbeben- und Vulkanphysik, Sektion 2.4 Seismologie, Sektion 2.6 Erdbebengefährdung und Spannungsfeld des Deutschen GeoForschungsZentrums (GFZ) in einem Poster zusammengestellt.

Auf der Seite des GEOFOrschungsNetzwerks (GEOFON) finden Sie weitere Informationen zu diesem Erdbeben.

Text und KartenGFZ: Sekt. 2.1, 2.4, 2.6  CC BY 4.0 sofern keine anderen Lizenzen betroffen.