Aktuelles Beben:
Das Erdbeben vom 25. Januar 2016 trat im westlichen Mittelmeer im Bereich des Alboran-Meeres in geringer Tiefe auf (flacher als 10 Kilometer). Das Deutsche GeoforschungsZentrum (GFZ) hat eine Momentmagnitude von MW 6,3 bestimmt.

Die Herdlösung deutet auf eine Bewegung der oberen Erdschollen entlang einer linkslateralen Blattverschiebung hin.

Seismotektonik:
Die großräumige Ursache für die Seismotektonik im westlichen Mittelmeer ist das Aufeinanderzubewegen (Konvergenz) der afrikanischen gegen die eurasische Platte, die im Bereich des Alboran-Meeres etwa 5-6 mm/Jahr beträgt. Der Meeresboden wird zwischen dem westlichen und südlichen Alboran-Becken durch eine breite, stark deformierte Zone charakterisiert, die auf eine komplexe Tektonik hinweist. In der Verlängerung des sogenannten Alboran-Rückens am Meeresboden gibt es östlich (Yusuf-Verwerfung) und südwestlich aktive Scherzonen (Al Idrisi-Verwerfung, im Bereich des heutigen Bebens vom 25. Januar 2016), auf denen starke Beben auftreten können.

Entlang des Atlas-Gebirges zwischen Marokko und Algerien sind mehrere große Schadensbeben dokumentiert. Das bisher stärkste, instrumentell aufgezeichnete Beben mit einer Magnitude von MW 7,1 trat 1980 bei El Asnam mehr als 450 Kilometer östlich des heutigen Bebens auf. Im Jahr 2003 wurde die Hauptstadt von Algerien durch ein MW 6,3 Beben (Bourmerdes-Zemmouri) erschüttert. Das Beben trat damals im Meer nahe der Küste auf und löste einen kleineren Tsunami aus (Tsunamigefährdete Regionen im Mittelmeerraum). Unter dem Alboran Meer treten vereinzelt auch starke Tiefherdbeben bis in 630 Kilometer Tiefe auf, z.B. im Jahr 1954 mit einer Raumwellenmagnitude von mb7 (mehr zu Magnituden).

Die Seismizität konzentriert sich im westlichsten Teil des Mittelmeeres auf die Straße von Gibraltar, das Alboran-Meer im Bereich der tektonischen Scherzonen und des Alboran-Rückens und nördliche Küstenregion vor Marokko und Algerien. Das Alboran-Meer ist außerdem entlang eines schmalen, nordsüd-gerichteten Bands zwischen -4,8 und 4,4 Grad Länge von mitteltiefen Erdbeben zwischen 50 und 150 Kilometer Tiefe betroffen, die auf eine nach Osten eintauchende Subduktionszone hindeuten.

Seismische Gefährdung:
Die seismische Gefährdung ist in West-Portugal, Süd-Spanien und im nördlichen Marokko vergleichbar groß, wobei innerhalb von 50 Jahren Spitzenbeschleunigungen bis zu 2 m/s² mit 10 Prozent Wahrscheinlichkeit überschritten werden. Die Gefährdung durch starke Bodenerschütterungen bei Erdbeben ist in der Küstenregion Algeriens am größten. Nicht einbezogen in die Karte ist eine mögliche Gefährdung durch Tsunami, die infolge submariner Erdbeben oder durch sekundär erzeugte, submarine Hangrutschungen im westlichen Mittelmeer auftreten können. Seit 1365 wurden für die algerische Küste 13 Erdbeben rekonstruiert, die mit Tsunamis in Verbindung stehen. Das Algerien-Beben vom Januar 1356 hatte dabei möglicherweise 5 m hohen Wellen an der Küste erzeugt (Maouche et al., 2009, Marine Geology).

Text und KartenGFZ: Sekt. 2.1, 2.4, 2.6  CC BY 4.0 sofern keine anderen Lizenzen betroffen.