Analyse der Sturzflut in Braunsbach

Das Zusammenspiel vieler Faktoren führte zu immensen Schäden. Analyse und Ausblick.

Im Graduiertenkolleg NatRiskChange der Universität Potsdam und seinen Partnern* werden Naturgefahren und ihre Auswirkungen untersucht. So auch die Sturzflut vom 29. Mai 2016 in Braunsbach (Baden-Württemberg). Dass es in der Region um den Orlacher Bach zu solch einer starken, zuvor noch nie beobachteten Sturzflut mit starken Schäden gekommen ist, lässt sich auf das Zusammenspiel vieler verschiedener Faktoren zurückführen.

Eine durch hohes Gewitterpotential charakterisierte, lang andauernde Wetterlage war verantwortlich für sehr hohe Niederschlagsmengen, die aufgrund von niedrigen mittleren Windgeschwindigkeiten sehr lokal begrenzt aufgetreten sind. So wurden in der Region nie zuvor gemessene Niederschlagssummen mit einer jährlichen Auftrittswahrscheinlichkeit von unter 0,3% registriert. Der sehr plötzlich einsetzende Niederschlag führte vor allem zu einem Infiltrationsüberschuss des Bodens und somit zu einem verstärkten Abfluss.

Die geomorphologischen Bedingungen rund um Braunsbach intensivierten das Ereignis: Die sehr steilen Hänge und flachen Böden führten zum einen zu einer schnellen Abflusskonzentration, zum anderen aber auch zu zahlreichen Hangrutschungen. So ist es sehr wahrscheinlich, dass mehrere Hangrutschungen entlang beider Bachtäler zu Erddämmen führten, die die Wassermassen zeitweise anstauten. Der Durchbruch dieser Dämme führte nicht nur zu einer sehr hohen Wasserabflussmenge, sondern transportierte auch Bodenschichten, Pflanzenmaterial, Kies und metergroße Gesteinsbruchstücke in die Ortschaft Braunsbach.

Die Untersuchung nahezu aller betroffenen Gebäude ergab, dass vor allem die Geschiebefracht und die hohe Fließgeschwindigkeit zu den größten äußerlich sichtbaren Gebäudeschäden führten. Schäden durch mögliche Kontaminationen sowie Schäden am Hausrat, der Infrastruktur und an Fahrzeugen konnten in dieser Untersuchung nicht abgeschätzt werden. Die Analysen zum Ereignis von Braunsbach verdeutlichen, wie wichtig es ist, interdisziplinär zu arbeiten, um die Gesamtheit und das Zusammenwirken verschiedener Prozesse zu erfassen

Die Wissenschaftler haben festgestellt, dass bei den Aufräumarbeiten größere Geröllmengen an ihren ursprünglichen Platz an den Talflanken des Orlacher Baches verfrachtet wurden, mit dem speziellen Ziel den alten Böschungswinkel wiederherzustellen und die rutschgefährdeten Bereiche zu stabilisieren. Kurzfristig betrachtet, werden diese Maßnahmen das vorherige Höhenprofil des Tals wiederherstellen und weiteren Hangrutschungen entgegenwirken, die das Tal möglicherweise versperren könnten. Auf lange Sicht jedoch könnte das wiedereingebrachte Lockermaterial an den Talhängen erneut erodiert und talabwärts transportiert werden falls ein weiteres Starkregenereignis auftritt. Um diesem Szenario vorzubeugen, sollten Schutzmaßnahmen für die potenziell rutschgefährdeten Talflanken durch geotechnische Lösungen (z.B. Geröllnetze) untersucht und bei Bedarf umgesetzt werden.

* Freie Universität Berlin, Deutsches GeoForschungsZentrum und Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

Quelle

Vollständiger Bericht zur Sturzflut in Braunsbach im Mai 2016 (NatRiskChange)

Text, Fotos und Grafiken soweit nicht andere Lizenzen betroffen: eskp.de | CC BY 4.0
eskp.de | Earth System Knowledge Platform – die Wissensplattform des Forschungsbereichs Erde und Umwelt der Helmholtz-Gemeinschaft

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