Umweltrisiken in den Polarregionen minimieren

Schiffsverkehr und touristische Aktivitäten nehmen in den Polarregionen zu. Mit möglichen Folgen beschäftigt sich die Wissenschaft.

Die Polarregionen geraten zunehmend in den Fokus der Wissenschaft und ökonomischer Interessen. Sorgen bereitet der zunehmende Klimawandel in Arktis und Antarktis. Die Erwärmung in der Arktis liegt um das Doppelte über der durchschnittlichen globalen Rate. Die Folgen sind ein Rückgang der Meereis- und Schneedecke sowie das Schmelzen von Gletschern und Permafrostböden. In früheren Jahren schwer erreichbare und schwer zu durchquerende Polarregionen können heute von Schiffen viel einfacher erreicht bzw. länger befahren werden. Die Nord- und Nordostpassagen sind im Vergleich zur Route durch den Suezkanal und Panamakanal für die Schifffahrt auf Grund der Einsparung von bis zu 40 Prozent der Strecke sehr interessant. Vor allem der Verkehr mit großen Tankern über die Nordostpassage hat in den vergangenen Jahren im eisfreien Sommer stark zugenommen. Entsprechend hat sich die Gefahr von potenziellen Ölunfällen und damit verbundenen Umweltkatastrophen erhöht. Auch ist eine weitere Zunahme von touristischen und anderen ökonomischen Aktivitäten zu erwarten. So zählte die Saison 2014/2015 bereits über 35.000 Antarktis-Touristen.

Auf einer Konferenz im Juli 2015 im schweizerischen Genf wurde ein internationaler Aktionsplan zur Verbesserung der Vorhersagemöglichkeiten von Wetter, Klima und Meereisbedingungen in den Polarregionen beschlossen; auch um Umweltrisiken zu minimieren. Wetter- und Klimaexperten, Forscher, Verbände, Forschungsförderungseinrichtungen sowie Vertreter von Schifffahrts- und Tourismusindustrie waren auf Initiative der Meteorologiebehörde der Vereinten Nationen (WMO) im Rahmen des "Polar Prediction Projects" vertreten. In einer zweijährigen Phase von Mitte 2017 bis Mitte 2019 werden Beobachtungen, Modellrechnungen und die Lehre unter Einbindung der genannten Interessensgruppen für und in der Polarregion gezielt verstärkt und koordiniert.

Hauptproblem sind die bisher noch geringe Anzahl von Wetterbeobachtungen in den Polarregionen und das teils unzureichende wissenschaftliche Verständnis in Fragen der physikalischen Prozesse, die das Wetter und Klima der Polregionen bestimmen. Wir brauchen verbesserte Prognosen, um die Chancen als auch die Risiken zu managen ", sagt Dr. Thomas Jung vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung und Vorsitzender des Polar-Prediction-Projekt-Lenkungsausschusses. Fortschritte in Wettervorhersagen und Klimaprognosen führen zu besseren Dienstleistungen für die Nutzer der Polarregionen und deren Bewohner sowie der mittleren Breiten.

Auf der Genfer Konferenz wurden eine Reihe von Maßnahmen für das "Jahr der Polarvorhersage" (Year of Polar Prediction) beschlossen. So definierten die Teilnehmer Beobachtungs- und Forschungsschwerpunkte sowie Bedürfnisse und Erwartungen von Interessensgruppen. Zudem wurden Datenaustausch und -management diskutiert und die Frage nach der Koordination geplanter Aktivitäten geklärt. Vielversprechende verbindliche Zusagen aus der Forschungsgemeinde und von Stakeholdern gab es für die geplanten intensiven Beobachtungs- und Modellierungsphasen.

Text: Karl Dzuba, Wissensplattform Erde & Umwelt; fachliche Durchsicht und Ergänzungen Stefanie Klebe (AWI)

Weiterführende Informationen
  Polarregionen im Fokus der Wissenschaft: Interview mit Machiel Lamers
  AIP Scitation: Communicating climate complexity

Text, Fotos und Grafiken soweit nicht andere Lizenzen betroffen: eskp.de | CC BY 4.0
eskp.de | Earth System Knowledge Platform – die Wissensplattform des Forschungsbereichs Erde und Umwelt der Helmholtz-Gemeinschaft

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