Die Bedeutung der Ozeane wurde in Marrakesch diskutiert

Bei der Klimakonferenz ging es auch um die Bedeutung der Ozeane. Sie speichern Wärme und CO2.

Vom 7. bis 18. November 2016 fand in Marrakesch die 22. Weltklimakonferenz statt. Auch Wissenschaftler der Helmholtz-Gemeinschaft brachten ihre fachliche Expertise ein. Insbesondere in der ersten Verhandlungswoche gab es ein Begleitprogramm mit zahlreichen wissenschaftlichen Vorträgen und Workshops.

Wir haben mit Dr. Toste Tanhua von GEOMAR, Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung, Kiel im Vorfeld der Konferenz schon mal einige Aspekte zum Thema Ozeanographie diskutiert.

Sie halten einen Vortrag zur Bedeutung von Ozeandaten. Erhoben werden die Daten zur Wassertemperatur, Meeresströmungen oder CO2 seit Jahrzehnten mit Schiffen, Satelliten, Bojen ...? Warum brauchen wir immer noch mehr Informationen über die Ozeane?

Der Ozean ist ein sehr wichtiger Bestandteil des globalen Klimasystems. Die Ozeane speichern beispielsweise ca. 93 % der überschüssigen Wärme, die von der Erde absorbiert wird. Ozeane reagieren allerdings relativ langsam auf Temperaturänderungen. Sofern die Treibhausgasemission und damit die Klimaerwärmung erheblich reduziert werden könnten in den kommenden Jahren, würden die Ozeane weiterhin Wärme speichern. Die oberen Wasserschichten würden für die kommenden Jahrzehnte, die tieferen sogar in den nächsten Jahrhunderten weiterhin Wärme aufnehmen. Darüber hinaus regulieren jährliche bzw. auch dekadische Temperaturschwankungen der Ozeane den gesamten Wärmefluss, was kurzzeitige Klimaphänomene (z.B. El Niño) hervorrufen kann. Diese Phänomene zu verstehen und vorherzusagen, ist enorm wichtig, da sie weitreichende Auswirkungen auf die Wirtschaft, aber auch auf die Gesundheit haben können.
Es ist daher essentiell, geeignete Beobachtungs- und Messsysteme in den Ozeanen zu haben, um die Daten weltweit zu sammeln und auszuwerten. Hierdurch lässt sich das Fortschreiten des Klimawandels besser dokumentieren und geeignete Anpassungsmaßnahmen entwickeln.

Zusätzlich zur Wärme speichern die Ozeane auch noch ca. 30 % des ausgestoßenen Treibhausgases Kohlendioxid (CO2). Der Treibhauseffekt wird hierdurch erheblich gemindert. Allerdings ist die Aufnahmefähigkeit begrenzt. Steigende Emissionsraten führen nicht automatisch zur erhöhten Aufnahme von CO2.
Zur Erfassung dieses Kohlenstoffkreislaufs sind ebenfalls Messungen in den Ozeanen unerlässlich, um abschätzen zu können, wieviel CO2 aufgenommen worden ist und ob und wenn ja wie groß die Aufnahmekapazität noch ist. (s. hierzu auch Informationen zur weltweiten Datenbank).

Wo fehlen immer noch Informationen?

Die Ozeane machen fast 70 % der Erdoberfläche aus. Die Entfernungen sind folglich enorm und viele Bereiche liegen fern ab von jeglichen Schifffahrtsrouten. Der Südliche Ozean ist beispielsweise weitgehend unerforscht.

Zwar vermessen Satelliten weltweit auch die Ozeane, allerdings können viele klimarelevante Informationen (Essential Climate Variables, ECV) nicht auf diese Weise erhoben werden. Auch weltweit im Meer treibende Messbojen (ARGO) liefern nicht alle wichtigen Daten, da sie nicht die tieferen Bereiche der Ozeane vermessen.

Die Bedeutung des Südlichen und des Arktischen Ozeans für das Klimasystem sind unbestritten und prioritär, dennoch ist es schwierig diese Gebiete zu beproben. Aber auch andere Ozeanabschnitte wie der nördliche Indische Ozean und der Südostpazifik sind noch wenig untersucht.

Sie vertreten UNESCO-IOC während der Klimakonferenz in Marrakesch. Können Sie uns die Arbeit dieses Gremiums genauer erklären?

UNESCO-IOC ist die zwischenstaatliche Ozeanographische Kommission der Vereinten Nationen. Es ist das höchste Gremium für die internationale Koordinierung sämtlicher Belange zu Ozeanen und Meeren.

Durch das Projekt Global Ocean Observing System (GOOS), wo es um die Koordination und den Überblick über globale Beobachtungen geht, bin ich mit dem IOC verbunden. Bei dem Projekt gibt es drei Fachbereiche Physik, Biogeochemie und Biologie/Ökosysteme. Diese Expertengremien sollen Anforderungen zum Meeresschutz definieren und Orientierung beispielsweise bei der Implementierung regionaler Maßnahmen bieten. Über ein anderes Schwesterprojekt (Global Climate Observing System, GCOS), welches sich direkt mit den Klimabeobachtungen befasst, fließen alle Ergebnisse und Anliegen in die Klimakonferenz in Marrakesch (COP22) ein.

Was sind die dringendsten Aufgaben der Klimakonferenz?

Die dringendste Aufgabe ist es, von einer kohlenstoffbasierten Wirtschaft zu einer nachhaltigen Gesellschaft zu wechseln, die deutlich weniger CO2 und andere Treibhausgase wie CH4 emittiert. Die Verbrennung fossiler Brennstoffe sowie die Rodung großer Waldgebiete muss also gestoppt werden. Das ist zumindest das vordringlichste politische Ziel und aus wissenschaftlicher Sicht, die einzige Möglichkeit, die Erderwärmung zu begrenzen, die ansonsten zu irreversiblen Schäden unseres Planeten führen würde.

Der Schwerpunkt der Veranstaltung, die ich besucht habe, liegt in der Klimabeobachtung: "Die systematische Beobachtung des Klimazustands - in der Atmosphäre, den Ozeanen und dem Boden - ermöglicht den Klimawandel und dessen Folgen zu erfassen und Prognosen zu machen. Auf dieser Grundlage basieren die Weltklimakonferenz (UNFCCC) und das Abkommen, welches in Paris im vergangenen Jahr verabschiedet wurde. Davon hängt die Entscheidungsfindung auf allen Ebenen im Hinblick auf den Klimawandel, den Anpassungs- und Minimierungsmaßnahmen ab."

Die Klimarelevanten Faktoren bei den Ozeanen weltweit und regelmäßig zu erfassen ist dabei wahrscheinlich eine der größten Herausforderung bei der Zusammenstellung der Klimadaten. Hier werde ich mitdiskutieren, um eine gute Lösung zu erzielen.

Insbesondere für diejenigen Variablen, die nur von Forschungsschiffen aus erfasst werden können, bleibt die Datenerhebung schwierig und teuer, so dass die räumliche und zeitliche Erfassung auch zukünftig begrenzt ist. Allerdings gibt es inzwischen spannende, vielversprechende technische Neuerungen mit Robotersystemen mit neuen Sensoren, um demnächst zumindest stichprobenhaft die wichtigen Variablen messen zu können.

Wurden Sie eingeladen auf der Konferenz zu sprechen oder haben Sie sich darum beworben?

Ich wurde eingeladen, einen Vortrag zu halten. Da dies eine sehr gute Möglichkeit ist, wichtige Aspekte im Hinblick auf die klimarelevanten Ozeanbeobachtungen politischen Entscheidungsträgern zu vermitteln, habe ich die Möglichkeit natürlich gerne angenommen.

Welche Erwartungen haben Sie an die Konferenz?

Ich hoffe, dass sich die Konferenzteilnehmer der Bedeutung von Klimabeobachtungen und den damit verbundenen Herausforderungen bewusst sein werden. Zumindest am Ende der Veranstaltung.

Wer nimmt an dem wissenschaftlichen Begleitprogramm teil?

Die erste Woche der Klimakonferenz ist eher "technisch". Erst in der zweiten Woche kommen dann auf höchster politischer Ebene die Verhandlungsführer zusammen. Am Montag den 7. November treffen sich aber bereits die UNFCCC Hilfsorganisationen und ich gehe davon aus, dass bereits hier einige Verhandlungsführer verschiedener Mitgliedsstaaten teilnehmen werden.

Wie werden Ihre Ergebnisse den Weg zu Entscheidungsträgern und Politikern finden?

Ein Weg ist hoffentlich das wissenschaftliche Zusatzprogramm in Marrakesch. Allerdings haben wir zusätzlich im vergangenen Jahr einen Implementierungsplan ausgearbeitet (s.o. Global Climate Observing System, GCOS), welcher hoffentlich bei der Konferenz verabschiedet wird. In diesem Dokument wird der Bedarf eines globalen Systems zur Erfassung des Klimawandels dargelegt. Entstanden ist es aus dem Mandat vorangegangener Klimaschutzabkommen. Es enthält auch für die Vertragsparteien Orientierungshilfen für die Umsetzung.

Linktipp

  Mehr Informationen zum wissenschaftlichen Programm in Marrakesch
 Interaktive Grafik dokumentiert die Klimakonferenzen (Quelle: Helmholtz-Gemeinschaft)

Das Interview führte Dr. Ute Münch, Wissensplattform Erde und Umwelt.

Text, Fotos und Grafiken soweit nicht andere Lizenzen betroffen: eskp.de | CC BY 4.0
eskp.de | Earth System Knowledge Platform – die Wissensplattform des Forschungsbereichs Erde und Umwelt der Helmholtz-Gemeinschaft

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