Arid oder humid?

In Deutschland regnet es häufig, dennoch gibt es auch trockene Regionen. Aber haben diese Gebiete deshalb ein arides Klima?

In Deutschland kommt es an durchschnittlich rund 150 Tagen im Jahr zu Niederschlag (Regen, Schnee, Hagel), der sich im Mittel auf etwa 800 mm summiert. Allerdings verteilt sich dieser Niederschlag nicht gleichmäßig über das Land – es gibt auch trockene Regionen.

Arid, semiarid, semihumid, humid sind meteorologische Begriffe, die das Verhältnis zwischen den Niederschlagsmengen und der potentiellen Verdunstung in einer Region beschreiben. Arides Klima bedeutet, dass über drei Jahrzehnte im Durchschnitt der Niederschlag in über zehn Monaten im Jahr unterhalb der potentiellen Verdunstung gelegen hat. Bei humidem Klima liegt die Niederschlagsmenge in mehr als zehn Monaten im Jahr oberhalb der potentiellen Verdunstung. In Gebieten mit semiaridem Klima übersteigt in sechs bis neun Monaten pro Jahr die potentielle Verdunstung den Niederschlag; bei semihumid überwiegen die Niederschläge in sechs bis neun Monaten die potentielle Verdunstung.

Dabei beschreibt die potentielle Verdunstung die (maximal) mögliche Verdunstung von einer freien Wasseroberfläche. Beispiel: Die tatsächliche Verdunstung in der Sahara ist beispielsweise fast überall Null, da die Böden vollständig trocken und keine Wasserflächen vorhanden sind. Die potentielle Verdunstung allerdings ist riesig, denn ein mit Wasser gefüllter Eimer wäre in der Sahara schnell verdampft.

In Landschaften mit aridem Klima sind Flussläufe oftmals weitgehend ausgetrocknet, führen nur kurzzeitig Wasser oder münden in abflusslose Seen wie z.B. das Tote Meer (Jordanien, Israel) oder den Aralsee (Kasachstan, Usbekistan). Aber nicht nur in Wüsten herrscht arides Klima vor, sondern auch in einigen Hochgebirgen und den Polargebieten, wo kaum Niederschlag fällt.

Der Diplom-Meteorologe Bernhard Mühr vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) hat nach den von Köppen festgelegten Trockengrenzen (1918) Ariditätskarten für Deutschland errechnet. Hiermit können die ariden Gebiete in Deutschland lokalisiert werden, wenn ein Monat überdurchschnittlich warm oder trocken ausfällt. Beispielsweise präsentieren sich bereits bei durchschnittlichen Temperatur- und Niederschlagsverhältnissen weite Teile Brandenburgs und Sachsen-Anhalts leicht arid.

Text: Dr. Ute Münch, fachliche Durchsicht Dipl. Met. Bernhard Mühr, Karlsruher Institut für Technologie (KIT)

Tipps und Literaturhinweise:

 Die Klimaklassifikation nach Köppen.
  Klimadiagramme weltweit.

 Köppen, W.: Klassifikation der Klimate nach Temperatur, Niederschlag und Jahreslauf. In: Petermanns Geog. Mitt., Band 64, 1918, S. 193–203 u. 243–248.
 Lauer, W., Frankenberg, P.: Klimaklassifikation der Erde. In: Geographische Rundschau 40, Westermann Verlag, Braunschweig 1988.

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