Die Earth System Knowledge Platform | eskp.de wurde 2012 vom Forschungsbereich Erde und Umwelt der Helmholz-Gemeinschaft ins Leben gerufen. Nach einer zweijährigen Aufbauphase ging die Webseite 2014 mit den ersten Beiträgen online. Die Wissensplattform entwickelte sich zu einem Medium der Wissenschaftskommunikation, das Einblick in die vielfältige Forschung zum Erdsystem gibt und diese zugleich in größere Zusammenhänge einordnet.

Dabei handelte es sich einerseits um gesellschaftliche Herausforderungen, die sich etwa aus dem Klimawandel, dem Artensterben oder aus Naturkatastrophen ergeben, andererseits wurden insbesondere solche Zusammenhänge herausgearbeitet, die im Erdsystem selbst liegen. Je besser wir über die Systemzusammenhänge von Erde und Umwelt Bescheid wissen und je mehr evidenzbasierte Wissensbestände uns zur Verfügung stehen, umso deutlicher wird, dass es sich hierbei nicht um isolierte Erkenntnisse handelt, sondern dass Wechselwirkungen und Feedbacks zwischen den Gegenstandsbereichen bestehen, mit denen sich die Forschung intensiv beschäftigt. Unser Planet ist ein „System“, in dem alles miteinander zusammenhängt.

Wissenschaft für alle

ESKP näherte sich dieser Herausforderung durch einen Ansatz, der ein möglichst breites Publikum ansprechen sollte. Die Plattform reflektiert damit das in der Bevölkerung bestehende Bedürfnis nach mehr Wissenstransfer und Information. In einer aktuellen Erhebung geben 60 Prozent der in Deutschland Befragten an, dass sie ein großes oder sehr großes Interesse an Wissenschaft und Forschung haben (WiD, 2020 & Kantar, S. 6, siehe Abb. 1). Als Informationsmakler bereitete ESKP somit Wissensbestände für ein breites Adressatenspektrum auf, darunter Politik, Medien und Bildungssektor (Spreen et al., 2020).

Getragen wurden die ESKP-Webseiten eskp.de und themenspezial.eskp.de von den am Forschungsbereich Erde und Umwelt der Helmholtz-Gemeinschaft beteiligten Zentren: Dem Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI), dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), dem Forschungszentrum Jülich (FZJ), dem GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, dem Helmholtz-Zentrum Potsdam - Deutsches GeoForschungsZentrum (GFZ), dem Helmholtz-Zentrum Geesthacht, Zentrum für Material- und Küstenforschung (HZG), dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) sowie dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ). Die redaktionelle Arbeit lag bei der zentralen ESKP-Redaktion am GFZ in Potsdam und bei den ESKP-Koordinatorinnen und -Koordinatoren in den beteiligten Zentren.

Die Themenspezials

Bei den Themenspezials handelt es sich um offene Synthese-Formate, zu denen auch zahlreiche Expertinnen und Experten von außerhalb der Helmholtz-Gemeinschaft ihr Fachwissen beigesteuert haben. Die einzelnen Ausgaben bieten einen fundierten Überblick und einen strukturierten Zugang zu den jeweiligen Themen. Sie lassen den Leserinnen und Lesern aber auch Raum für individuelle Zugänge. Bei der Aufbereitung der Inhalte wurde in enger Abstimmung mit den Expertinnen und Experten darauf geachtet, dass die Inhalte auch für Laien gut erfassbar bleiben.

ESKP in Zahlen

Über 770 Beiträge sind mit Projektende auf den Webseiten eskp.de und themenspezial.eskp.de erschienen, 161 davon in den Themenspezial-Ausgaben und über 100 Artikel, die sich mit Grundlagenwissen zum Erdsystem befassen. Hinzu kommen 170 Lexikoneinträge. Die Beiträge auf eskp.de verteilen sich auf die vier großen Rubriken „Naturgefahren“, „Klimawandel“, „Schadstoffe“ sowie „Energiewende & Umwelt“. Jede dieser Rubriken enthält zahlreiche Unterkategorien wie zum Beispiel „Biodiversität“, „Vulkanismus“, „Permafrost“ oder „Risikomanagement“.

Die Struktur der Webseite erlaubt es, jeden einzelnen Artikel mit weiterführenden Beiträgen und passenden Grundlagen zu vernetzen. Die Artikel sind damit jeweils Netzwerkknoten, die es ermöglichen, sich je nach Interesse weiteres, vertiefendes Wissen individuell zu erschließen. ESKP funktioniert wie ein Wissensnetzwerk, ähnlich einem neuronalen Netzwerk – allerdings einem, das fortlaufend der Innovationsentwicklung der Wissenschaft folgt.

An der Wissensplattform haben im Projektzeitraum mehr als 420 Expertinnen und Experten aktiv mitgewirkt, entweder als Autorinnen oder Autoren oder als Fachgutachterinnen und Fachgutachter im Rahmen der Qualitätssicherung. Damit waren die Beiträge fachwissenschaftlich abgesichert und haben ein zentrales Ziel von ESKP gestützt: dem Publikum Informationen und aktuelle Erkenntnisse zu präsentieren, denen sie vertrauen dürfen. Um es mit dem Psychologen Rainer Bromme zu sagen, ging es darum, „informiertes Vertrauen“ zu ermöglichen (Retzbach, 2020).

Vertrauen in Informationen bedeutet auch, dass Referenzen in einem standardisierten Format angegeben werden. Die jüngsten Jahrgänge verwenden dafür einen abgewandelten Standard – und zwar die APA-Zitationsnorm, die soweit verändert wurde, dass sie sowohl im Online- als auch im PDF- bzw. Print-Format gut einsetzbar ist.

Sehr positiv entwickelt haben sich über die Jahre die Besucherzahlen. Nach einer Startphase, in der gerade im Bereich des Grundlagenwissens Aufbauarbeit geleistet wurde und sich der Bekanntheitsgrad der Seite Schritt für Schritt erhöhte, entwickelten sich die Besucherzahlen von ESKP und ESKP-Themenspezial insbesondere in den letzten Jahren sehr dynamisch. Abbildung 2 zeigt die mittlere monatliche Zahl der Besuche nach Jahren. Erkennbar steigt die Nachfrage nach einer Implementierungs- und Konsolidierungsphase erheblich an. Im Januar 2021 verzeichneten ESKP und ESKP-Themenspezial zusammen über neunzigtausend Besuche; ein eindrücklicher Beleg für die hohe Nachfrage der interessierten Öffentlichkeit an dieser Form der Bereitstellung von aktuellen und qualitätsgeprüften Informationsangeboten (Daten: Matomo Webseitenanalyse).

ESKP war auch ein Angebot an die Medien, die Entwicklungen in der Forschung verfolgen oder Anregungen aufnehmen konnten. Exemplarisch sei hier der vor einem Jahr erschienene Beitrag über Vulkanismus in der Wochenzeitung Die Zeit genannt, in dem auf eskp.de als Informationsquelle verwiesen wurde (Die Zeit vom 13.02.2020, S. 38).

ESKP betrieb neben einem Facebook-Account auch den Twitter-Account @geowissenschaft. Letzterer zeichnete sich durch eine prominente und werthaltige Follower-Struktur aus. Darunter befanden sich Ministerien, zahlreiche institutionelle sowie unabhängige Forschungs- und Bildungseinrichtungen, Wissenschaftsverlage, Akteure der Wissenschaftskommunikation, Helmholtz-Zentren und -Institute sowie neben Unternehmen und zivilgesellschaftlichen Akteuren auch viele Privatpersonen.

Lessons learned

Durch den Betrieb des Online-Wissensportals ESKP konnten wichtige Erfahrungen zur Wissenschaftskommunikation gesammelt werden. Vier Punkte seien abschließend genannt:

  • Anerkennungskultur fördern: Informiertes Vertrauen setzt Qualitätsmanagement voraus. Dabei spielt der Input von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern als Autorinnen und Autoren oder als fachlich Begutachtende eine zentrale Rolle. Dieses Engagement sollte anerkannt werden. Ein erstes Mittel ist die Vergabe digitaler Objektbezeichner für Beiträge (Digital Object Identifier, kurz: DOI). Dadurch wird ein permanenter Link erzeugt, der die Leistung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nachvollziehbar und dauerhaft belegbar macht.
  • Geduld und Marketing: Eine Plattform wie ESKP wächst mit der Zeit. Nach und nach entsteht ein immer umfassenderes Wissensnetzwerk, das folglich auch für immer mehr Menschen interessant wird. Daher braucht es eine Zeit, bis eine solche Plattform sich einen anerkannten Platz in der Online-Welt und in den Medien erobert hat. Man benötigt auch für Suchmaschinen einen langen Atem, damit die Beiträge gut indiziert sind und gefunden werden können. Hierbei leisten neben qualitativ hochwertigen Beiträgen anschauliche Visualisierungen und Infografiken einen wichtigen Beitrag. Die Nachfrage ist gegeben und sie nimmt zu. Marketing-Maßnahmen können die Anerkennungsphase verkürzen.
  • Dem Diskurs der Wissenschaft folgen: Um die Dynamik der großen gesellschaftlichen Herausforderungen zu reflektieren, ist es wichtig, die Nutzerinnen und Nutzer von Wissenschaftskommunikation an der Entwicklung der Wissenschaft teilhaben zu lassen. Hier bieten digitale Wissensportale große Potentiale, sofern sie ihr Publikum laufend mit frischen Erkenntnissen versorgen und einen verlässlichen Anlaufpunkt dafür bieten.
  • Synthese und Kontextualisierung: Um den vielfachen Zugängen gerecht zu werden, empfiehlt es sich, individuell nutzbare Angebote zu machen. Offene Syntheseformate, wie etwa die Themenspezials, können ein breiteres Publikum aus verschiedenen Zielgruppen ansprechen. Die Verknüpfung von Beiträgen ermöglicht ebenfalls einen individuellen Weg durch das Wissen. Zudem ist es sinnvoll, in den Beiträgen Bezug auf gesellschaftliche Herausforderungen zu nehmen sowie Handlungsoptionen aufzuzeigen.

Im Namen der ESKP-Redaktion (Oliver Jorzik, Jana Kandarr und Pia Klinghammer) danke ich ausdrücklich allen Expertinnen und Experten in und außerhalb der Helmholtz-Gemeinschaft, die mit ihrem Engagement und ihrer wertvollen Zeit dazu beigetragen haben, das Projekt zu einem erfolgreichen Ende zu führen. Ebenfalls ausdrücklich danken möchte ich den ESKP-Koordinatorinnen und -Koordinatoren in den beteiligten Helmholtz-Zentren, ohne deren verlässliches und konstruktives Engagement dieser Erfolg ebenfalls nicht möglich gewesen wäre.

Referenzen

  Retzbach, J. (2020). Verständlichkeit ist gut, aber es geht um informiertes Vertrauen [Interview mit dem Psychologen Rainer Bromme, www.wissenschaftskommunikation.de]. Aufgerufen am 06.10.2020.

  Spreen, D., Jorzik, O., Kandarr, J., Klinghammer, P. & Bens, O. (2020). Wissenssynthese und Wissenschaftskommunikation: Vom Primat des Publikums. Das Beispiel der Earth System Knowledge Platform. System Erde, 10(1), 18-23. doi:10.48440/GFZ.syserde.10.01.3

  Wissenschaft im Dialog – WiD & Kantar. (2020).Wissenschaftsbarometer 2020. Berlin.

Weiterführende Informationen

  Spreen, D. (2021, 4. März). Ein Wunsch für die Zukunft: Nachhaltigkeit auch in der Kommunikation [wissenschaftskommunikation.de]. Aufgerufen am 04.03.2021.

DOI
https://doi.org/10.48440/eskp.066

Veröffentlicht: 15.02.2021, 8. Jahrgang

Zitierhinweis: Spreen, D. (2021, 15. Februar). In eigener Sache: Zum ESKP-Projektende. Earth System Knowledge Platform [eskp.de], 8. doi:10.48440/eskp.066

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