Was macht eigentlich...Bardarbunga?

Ende August 2014 brach der Vulkan Bardarbunga auf Island aus. Eine Chronologie der Ereignisse.

Artikel aktualisiert am 28. Februar 2015:

Das Ende der vulkanischen Eruptionen im Holuhraun-Lavafeld, schreibt das isländische Department of civil protection and emergency management am 28. Februar 2015 auf seiner Webseite. Der Aviation Colour Code wurde von Orange auf Gelb zurückgesetzt. Weitere Informationen: Bardarbunga kommt zur Ruhe

Link: Monatelange Luftverschmutzung durch Vulkan Bardarbunga

 

Artikel aktualisiert am 23. Februar 2015:

Am 23. August 2014 bahnte sich die erste Lava am Vulkan Bardarbunga ihren Weg an die Erdoberfläche. Seither wächst im Holuhraun/Nornahraun-Lavafeld die neu entstehende Erdkruste weiter und weiter, stetig begleitet von kleinen und mittelstarken Erdbeben. Das Lavafeld umfasst mittlerweile 85 km2 (Vergleich 6. November 2014: 64,6 km2). In der Fläche wird das Lavafeld derzeit kaum größer, steigt aber in der Mächtigkeit. Derzeit die Aktivität am Vulkan ein wenig rückläufig. Der Pegel des Lavasees, der sich im Baugur-Krater geformt hat, sinkt. Da die von unten nachströmende Lava nicht sofort abfließt, bilden sich an der Seeoberfläche teilweise Abkühlungskrusten. Turbulenzen zeigen jedoch an, dass noch immer Material nachkommt.

Unterdessen hat das Icelandic Meteorological Office (IMO) in Kooperation mit der Universität von Palermo und dem Britischen Geologischen Dienst neue Geräte zur Überwachung des Gasausstoßes und des Wetters installiert. Mit einem MultiGas-Gerät wird die Freisetzung von Wasser (H2O), Schwefeldioxid (SO2), Kohlenstoffdioxid (CO2), Schwefelwasserstoff (H2S) und Wasserstoff (H2) erfasst. Parallel dazu zeichnet die Wetterstation Umweltbedingungen wie Windgeschwindigkeiten, -richtungen und Luftfeuchtigkeit auf. Die Geräte warnen nicht nur die sich im unmittelbaren Umfeld der Eruption aufhaltenden Forscher vor Gesundheitsschäden. Vor allem erlauben sie eine aktualisierte Einschätzung der Aktivität. Unter Einbeziehung der saisonal veränderten Wetterbedingungen wurden die Umweltrisiken, die von der Eruption ausgehen, neu bewertet. Im Zuge dessen wurden auch die gesperrten Gebiete neu ausgewiesen, wobei die äußere Grenze des Risikobereiches unverändert blieb.

Mit der bevorstehenden Schneeschmelze im Frühjahr zeichnet sich ein weiteres ökologisches Problem ab. Während des Winters akkumulieren Gaspartikel von der Eruption im Schnee. Wenn der Schnee schmilzt, kommt es voraussichtlich zu einem schlagartigen starken Eintrag von Schwefel und Halogenen in die Seen, Fließgewässer und ins Grundwasser, und dadurch zu einer plötzlichen Versauerung.
 

Artikel aktualisiert am 14. Januar 2015:

Noch immer quillt täglich Lava an die Erdoberfläche und noch immer stößt der Bardarbunga große Mengen Schwefeldioxid aus. Spitzenwerte erreichen 35.000 Tonnen am Tag. Die ausgeflossene Lava bedeckt mittlerweile eine Fläche von 84 Quadratkilometern, das entspricht in etwa der Größe der portugiesischen Hauptstadt Lissabon. Insgesamt sind rund 1,1 km3 Lava aus dem Vulkan seit Ende August 2014 ausgeströmt. Wissenschaftler der University of Iceland haben auf Messflügen die Mächtigkeit der Lava gemessen und das Volumen berechnet. Im westlichen Teil des Gebietes ist sie im Durchschnitt 14 Meter mächtig, im östlichen Teil durchschnittlich dagegen 10 Meter.

Im Durchschnitt werden pro Tag zwischen 30 und 50 Erdbeben registriert, die eine Stärke bis zu einer Magnitude von ~5 Mw haben. Der Aviation Color Code (ACC), die Warnstufe für den Flugverkehr, steht weiterhin auf Orange.

Das Forschungszentrum Jülich zeigt mithilfe des EURAD-IM-Simulationsmodells (EURopean Air pollution Dispersion-Inverse Model extension) die Ausbreitung der Schwefeldioxid-Wolke des Vulkans Bardarbunga über Island und Europa für die kommenden Tage.

 

Artikel aktualisiert am 6. November 2014

Nach der großen medialen Aufmerksamkeit im August/September ist es zuletzt ruhig um den Vulkan Bardarbunga geworden. Ist die Aktivität vorüber?

Von Ruhe kann keine Rede sein. Nur der befürchtete große Knall ist bislang am isländischen Vulkan ausgeblieben. Obwohl sich die Lava von der Holuhraunspalte am Bardarbunga in die umliegenden Flusstäler herangearbeitet hat, kam es bisher weder zu einer explosiven Eruption noch zu einer Überschwemmung.

Die umfassende Berichterstattung in den Medien im August und September verebbte zuletzt zusehends. Nicht verebbt hingegen ist das geologische Geschehen im Eruptionsgebiet. Der Aviation Color Code (ACC), die Warnstufe für den Flugverkehr, steht weiterhin auf Orange und damit eine unter der höchsten Stufe Rot. Noch immer quillt täglich Lava an die Erdoberfläche, noch immer sorgt die Spalte für erhöhte Schwefelkonzentrationen in der Luft. Der Bardarbunga stößt große Mengen Schwefeldioxid aus. Spitzenwerte erreichten 35.000 Tonnen am Tag, gemessen mit satellitengestützten Geräten. Entsprechend ist der Aufenthalt in unmittelbarer Nähe des Vulkans nur mit Atemschutzmasken möglich. Doch auch in der weiteren Umgebung sind Menschen von der Luftverunreinigung betroffen, wenn die Vulkangase vom Wind verbreitet werden.

Täglich werden zudem 50 bis 100 Beben mit Stärken bis zu einer Magnitude von ~5 Mw in der Region des Bardarbunga vom Icelandic Meteorological Office (IMO) registriert, die die Dynamik im System bezeugen. Am 3. November erschütterte ein Beben der Magnitude 5,3 Mw die Erde am Vulkan. Solche Erdbeben würden in einer dicht besiedelten Gegend beträchtlichen Schaden anrichten. Für die Gegend im Osten Islands rund um den Bardarbunga ist seismische Aktivität dieser Stärke keine Seltenheit. In nicht-eruptiven Phasen registriert das IMO immerhin etwa 100 Erdbeben pro Jahr. Die Stärke dieser Beben liegt bei Magnituden zwischen 1,5 bis 5,0 Mw. Eine unmittelbare Gefahr für Menschen besteht kaum, befinden sich im Umkreis von rund 30 Kilometern um den Vulkan keine permanent bewohnten Ortschaften.

Die Isländischen Wissenschaftler beobachten, dass die Temperatur im Zentralvulkan Bardarbunga ansteigt. Gleichzeitig senkt sich der Calderaboden weiter ab. Insgesamt 40 Meter liegt er nun tiefer als vor Beginn der Eruption an der benachbarten Spalte.

Pélé's Haare und Hexenhaare

Starker Wind hat zuletzt dazu geführt, dass frische Lavafetzen zu langen, filigranen Fäden erstarrt sind. Die Fachwelt spricht von "Pélé's Haaren". Seitens der Isländer entstand im Zuge dessen der Begriff "Nornahraun", "Hexenhaare" - der das Potenzial hat, namensgebend für diese Eruption zu werden.

Die ausgeflossene Lava bedeckt mittlerweile eine Fläche von 67 Quadratkilometern; das ist etwa drei Mal so groß wie das Frankfurter Flughafengelände. Im Hinblick auf gesellschaftliche Auswirkungen war die bisherige zerstörerische Kraft der Eruption jedoch begrenzt. Dies hängt mit mehrere Faktoren zusammen: Da sich in diesem Gebiet die Erdkruste weitet, baut sich tektonisch kein großer Druck auf. Auch spielt der Chemismus der Lava eine große Rolle. Es handelt es sich um sehr dünnflüssigen Basalt, der generell eher zum Fließen als zum Explodieren neigt. Und nicht zuletzt tritt die Lava nicht in einem dicht besiedelten Gebiet an die Oberfläche.

In der Anfangsphase der Aktivität wurden zwei Szenarien als besonders bedrohlich eingestuft. Beide beruhen auf dem Zusammentreffen von heißem Magma mit Flusswasser oder Gletschereis. Neben der Gefahr einer explosiven Eruption wurde ein Szenario einer Überschwemmung umrissen. In der Zwischenzeit haben Isländische Wissenschaftler abgeschätzt, wie eine Überflutung voraussichtlich zeitlich abliefe, wenn sich die aktive Eruptionsspalte weiter nach Süden ausbreitet. Sollte die Lava mit dem Dyngjujökull in Kontakt kommen und Teile des Gletschers schmelzen, kann das Gletscherwasser innerhalb von dreieinhalb Stunden 50 km weit das Tal des Jökulsá á Fjöllum Flusses hinabfließen und seine Umgebung überfluten.

Text: Heidi Wehrmann, GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

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