Steigende Verstädterung erhöht Katastrophenrisiko

Der extreme Bevölkerungsanstieg in den letzten Jahrzehnten hat zu einer größeren Anfälligkeit der Städte gegenüber Naturgefahren geführt.

Erstmals in der Geschichte leben mehr Menschen in der Stadt als auf dem Land. Bis 2030 wird Schätzungen zufolge der Anteil der Stadtbevölkerung auf mehr als 60 Prozent steigen. Die Bevölkerungsexplosion und zunehmende Verstädterung in den vergangenen drei Jahrzehnten hat zu einer erhöhten Anfälligkeit (Vulnerabilität) unserer Gesellschaft bei Naturkatastrophen geführt. Metropolen stoßen bei der Entwicklung und dem Ausbau von Schutzmaßnahmen gegen Naturereignisse an ihre Kapazitätsgrenzen.

Das Auftreten einer Katastrophe größeren Ausmaßes in großen Städten würde menschliche und wirtschaftliche Verluste in extremer Höhe verursachen und lang anhaltende sozio-politische Auswirkungen für das betroffene Land bzw. Region haben. Nur wenige Städte verfügen über eine aktive Risikoreduktion und Risiko-Managementpläne.

Szenarien zufolge könnte ein starkes Erdbeben in Istanbul schätzungsweise 70.000 bis 90.000 Tote sowie bis zu 130.000 Schwerverletzte fordern. Allein die Kosten für zerstörte Häuser würden sich auf geschätzte 40 Milliarden US-Dollar belaufen.

Umdenken in der Katastrophenforschung

In der Desasterforschung hat daher ein Umdenken stattgefunden. Diese soll sich nicht mehr nur um die reine Betrachtung der Katastrophen und ihrer Quantifizierung kümmern, sondern auch die Identifizierung und Abschätzung der Vulnerabilität der Gesellschaft in den Mittelpunkt stellen. Angesichts verheerender Naturkatastrophen in den 1970er und 1980er Jahren riefen die Vereinten Nationen das Jahrzehnt von 1990 bis 1999 zur Internationalen Dekade zur Reduzierung von Naturkatastrophen (International Decade for Natural Disaster Reduction, IDNDR) aus. Die Katastrophenvorsorge erfuhr erstmals international an Bedeutung.

1999 mahnte der damalige Generalsekretär der Vereinten Nationen, Kofi Annan, weitere Anstrengungen an. Im Dezember desselben Jahres führten die Vereinten Nationen die Internationale Strategie zur Reduzierung von Katastrophen (United Nations International Strategy for Disaster Reduction (UNISDR) ein. Ziel war es, die gesammelten Erfahrungen zu nutzen sowie laufende Projekte und Kooperationen weiterzuverfolgen. 

Die Generalversammlung der Vereinten Nationen erweiterte 2001 das Mandat von UNISDR, seitdem koordiniert das Sekretariat alle Aktivitäten der verschiedenen UN-Institutionen zur Reduzierung von Katastrophen. Die Reduzierung des Katastrophenrisikos und Anpassung an den Klimawandel in den Städten sind Ziele des Hyogo-Rahmenaktionsplans (HFA) 2005-2015 der UNISDR. Der Plan beschreibt die notwendigen Aufgaben und Arbeiten, um Schäden und menschliche Verluste bei Naturkatastrophen zu verringern. Aufgrund der besonderen Bedeutung des HFA-Plans haben sich vier lokale Regierungs-Organisationen zusammengeschlossen, um eine "Partnership for Urban Risk Reduction" (PURR) zu gründen. Das vorrangige Ziel von PURR ist die Umsetzung von Entwicklungs- und Sozialpolitik auf lokaler Ebene, um Menschenleben und Eigentum zu schützen. Lokale Behörden sollen in eine wirksame Katastrophenvorsorge eingebunden und eine bessere Koordination zwischen allen Entscheidungsträgern sichergestellt werden. Des Weiteren soll der Aufbau von technischen Kapazitäten auf lokalem Level vorangetrieben werden, um Risiken vorherzusehen und zu reduzieren.

Text: Karl Dzuba, Wissensplattform "Erde und Umwelt"

Studie: CEDIM, eine interdisziplinäre Forschungseinrichtung des Deutschen GeoForschungsZentrums und des Karlsruher Instituts für Technologie

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