Mais oder Weizen? Landwirte können Hochwasserschäden minimieren

Nutzpflanzen nehmen je nach Jahreszeit unterschiedlichen Schaden bei Hochwasser.

Anders als für Unternehmen und Privathaushalte macht es für den Landwirt einen Unterschied, ob seine Ackerflächen im Winter oder im Sommer durch Hochwasser überflutet werden. Zwar ist Hochwasser auch für die Landwirtschaft immer widrig, jedoch ist das Schadensausmaß je nachdem zu welcher Jahreszeit ein Hochwasser auftritt und welche Kulturpflanzen dann unter Wasser stehen, unterschiedlich.
Zeitpunkt, Dauer und Pegelstand sind zwar für Hochwasser nicht vorhersagbar, dennoch gibt es Regionen bzw. Flüsse, die beispielsweise eher im Frühjahr nach der Schneeschmelze und andere, die eher von sommerlichen Starkniederschlägen getroffen werden. Der wirtschaftliche Verlust auf einem noch unbestellten Feld am Ende des Winters wird daher geringer ausfallen, als der einer überfluteten Ackerfläche kurz vor der Ernte.

Für Deutschland wurden deshalb extreme Durchflusswerte von fast 300 Pegeln statistisch ausgewertet, um zunächst Informationen zur räumlichen Variation der saisonalen (monatlichen) Hochwasserwahrscheinlichkeit zu erhalten. Betrachtet wurde dabei ein Zeitraum von 53 Jahren von 1960 bis 2013. Untersucht wurden die Pegelzeitreihen in verschiedenen Flussgebieten in Deutschland (Rhein, Donau, Elbe, Weser, Ems, Maas) sowie an deren Zu- und Nebenflüssen.

Die monatlichen Hochwasserwahrscheinlichkeiten wurden danach mit Angaben zu Schäden bei landwirtschaftlichen Nutzpflanzen verknüpft. Für diese Betrachtungen wurden Weizen, Roggen, Gerste, Mais, Kartoffeln, Rüben und Raps herangezogen.
Die Schadenfunktionen ordnen den verschiedenen Kulturpflanzenarten einen Schädigungsgrad in Abhängigkeit des Zeitpunkts im Jahresverlauf und der Überflutungsdauer zu.

Risikokarten für Deutschland

Die Kombination beider Faktoren ermöglicht die Abschätzung des Risikos, welches für die Schadenserhebung von Bedeutung ist. Die dabei wichtigen Faktoren sind die jahreszeitliche Variation der Anfälligkeit der einzelnen Kulturpflanzen und die Hochwasserwahrscheinlichkeit im Verlauf des Jahres. Das Ertragspotenzial und die Marktpreise spielen eine untergeordnete Rolle in der räumlichen Differenzierung des Risikos.

Die Ergebnisse zeigen, dass insbesondere die südlichen Donauzuflüsse im Alpenvorland in den Sommermonaten über die Ufer treten. Dort ist folglich das Risiko Ernteeinbußen zu haben am größten, da zu dieser Jahreszeit die Nutzpflanzen den größten Schaden nehmen. Ein mittleres Risiko besteht im Osten und in der Mitte Deutschlands, da hier die Gefährdung durch Hochwasser in den Sommermonaten ebenfalls erhöht ist.

Für Raps, der in Deutschland großflächig angebaut wird, besteht insgesamt das höchste Risiko. Er nimmt bei Hochwasser in jedem Stadium der Fruchtentwicklung großen Schaden, insbesondere bei längeren Überflutungszeiten von mehr als 11 Tagen. Auch die Anfälligkeit von Getreide wie Roggen oder Weizen sowie von Mais ist in den Sommermonaten von Mai, bis August selbst bei kurzen Überflutungsdauern enorm.

Die deutschlandweiten Risikokarten sind für die Beratung der Landwirtschaft im Hinblick auf die Bewirtschaftung der Agrarflächen in Poldergebieten wichtig. Auch dienen sie der Entwicklung nationaler Hochwasserrisikominderungsstrategien und der Ausarbeitung von Vorsorgekonzepten. Auch Versicherung nutzen diese Erkenntnisse bei der Risikoanalyse und -einschätzung sowie bei der Ermittlung von Versicherungsprämien.

Literaturhinweis

Klaus, S., Kreibich, H., Merz, B., Kuhlmann, B. and Schröter, K.: Large-scale, seasonal flood risk analysis for agricultural crops in Germany. Environmental Earth Sciences 75(18):1289. Link

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