Erdbeben vor Bodrum und Kos in der Ostägäis

Die Nachbeben-Aktivität wird erfahrungsgemäß noch viele Wochen anhalten. Auch stärkere Nachbeben sind möglich.

Das Erdbeben in der Nacht des 20. Juli 2017 um 22:31 UTC (21. Juli 01:31 Ortszeit) mit einer Magnitude von MW 6,6 trat etwa 11 km vor der Küste Bodrums (Türkei) und 21 km östlich von Kos auf der Insel Docenanese (Griechenland) in der Ostägäis auf. Die Lokalisierung des Deutschen GeoForschungsZentrums ergab eine Herdtiefe von etwa 11 km und eine Herdlösung, die auf eine Nordsüd-gerichtete Extension schließen lässt. Innerhalb der ersten 18 Stunden nach dem Hauptbeben wurden bereits 14 Nachbeben mit Magnituden M >4 aufgezeichnet. Die Nachbeben-Aktivität wird erfahrungsgemäß noch viele Wochen anhalten, und auch stärkere Nachbeben können in dieser Zeit nicht ausgeschlossen werden.

Aus den Städten Bodrum (39.000 Einwohner) und Kos (19.000 Einwohner) wurden unmittelbar Schäden berichtet. Auf Kos gab es nach Medienberichten mindestens zwei Todesopfer und mehr als 120 Verletzte. In Bodrum belegten Pegelmessungen einen lokalen Tsunami mit einer Wellenhöhe von 20 cm. Im Umkreis von ±80 km zum Epizentrum leben etwa 250.000 Menschen.

Seismotektonik

Die Seismizität in der Ägäis wird durch die Bewegung der Anatolischen und Ägäischen Mikroplatten an ihren Rändern und durch ihre innere Deformation bestimmt. Die Anatolische Platte bewegt sich mit etwa 3 cm pro Jahr entlang der nordanatolischen Verwerfung in einem konvexen Bogen in westlicher Richtung. Im Bereich des Marmara Meers fiedert die nördliche Plattengrenze auf und bildet im marinen Gebiet der Nordägäis eine breitere Zone erhöhter Deformation, die bis in das Ionische Meer im Westen verfolgt werden kann. Entlang der türkisch-griechischen Küste in der Ostägäis befinden sich mehrere Scherzonen in einem Bereich diffuser Deformation, welcher den Übergang zur Ägäischen Mikroplatte definiert. Zugkräfte dominieren in der gesamten nördlichen Ägäis, da der hellenische Tiefseegraben, d.h. die Plattengrenze zwischen Afrika und der Ägäis, langsam nach Süden wandert. Historische Beben mit Magnituden M >7 sind entlang der nordanatolischen Plattengrenze in der Türkei und dem Maramara Meer bekannt. Ebenso gab es 1956 und 1926 starke historische untermeerische Beben im zentralen Bereich entlang des vulkanischen Bogens in der Ägäis, also etwas westlich des Epizentrums des Bebens vom 20. Juli 2017. Griechenland hat die höchste Erdbebenrate in Europa. Dabei gibt es mehrere Gürtel mit erhöhter Seismizität, wie z.B. der Hellenische Inselbogen und Kreta, der Golf von Korinth und der westliche Peloponnes, der vulkanische Bogen in der Ägäis, die östliche Ägäis nahe der Küste zur Türkei und die Nordägäis im Bereich der Verlängerung des Marmara Meeres.

Seismische Gefährdung

Die Karte zeigt im Küstengebiet der Ostägäis, in West-Anatolien und entlang der Nordanatolischen Verwerfung eine hohe seismische Gefährdung. Bodenbeschleunigungen überschreiten innerhalb von 50 Jahren mit 10%-tiger Wahrscheinlichkeit die Werte von 4-5m/s².

Das Deutsche GeoForschungsZentrum, GFZ hat ein Poster und eine Fachseite mit allen wichtigen Informationen und Karten zusammengestellt.

Poster und Text, Deutsches GeoForschungsZentrum, Sektionen 2.1, 2.4, 2.6 CC BY 4.0

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