Mit den derzeitigen Methoden können Tornados nicht vorhergesagt werden (DWD). Die gängigen Wettervorhersagemodelle arbeiten mit einer Auflösung von zwei bis drei Kilometern. Tornados, wie sie auch in Deutschland regelmäßig auftreten, haben jedoch eine sehr geringe Ausdehnung von bis zu einigen hundert Metern, sodass sie als kleinräumige Phänomene vom Wetterradar oder Wettersatelliten nicht erkannt werden können. Relativ verlässliche Vorhersagen, wie bei Hurrikans - d.h. Tage im Voraus - sind bei Tornados ausgeschlossen. Maximal 18 Stunden zuvor können Experten Superzellen ausmachen, die jedoch nicht zwingend zu einem Tornado führen und deren genaue Bahn nicht vorhergesehen werden kann.

Daher sind Menschen, die sich im Freien aufhalten, in der Regel auf sich allein gestellt. Dies betrifft das Erkennen eines Tornados, aber auch das ad hoc richtige Schutzverhalten. Doch wie kann man einen Tornado überhaupt früh erkennen? Klar ist: Erblickt man am Himmel trichterartige, rotierende Wolkenschläuche, die noch nicht den Erdboden erreicht haben, besteht in den folgenden 15 bis 60 Minuten höchste Tornadogefahr. Doch es gibt auch andere Vorzeichen: Formieren sich sogenannte Superzellen oder mächtige 'Wall Clouds', wie sie die Amerikaner nennen, sind diese meist Vorboten der verheerendsten Tornado-Varianten. In Superzellen bilden sich Mesozyklone, sie sind quasi der Motor der Rotation. Tornados haben aber nicht immer diesen charakteristischen Wolkenschlauch. Manchmal erkennt man sie nur daran, dass am Boden plötzlich und punktuell massiv Staub und Erde aufgewirbelt wird. Geschieht dies in Kombination mit auffälligen Wolkenformationen, könnte es sich um einen Tornado handeln. Im Übrigen gilt: Größe und Form eines Tornados sagen noch nichts über dessen Stärke aus. Da sich Tornados häufig nur wenige Dutzend bis einigen hundert Meter ausdehnen, kann ihnen in der Regel auch zu Fuß ausgewichen werden. Dafür gilt es, den Tornado erst einmal zu beobachten und die Zugrichtung des Tornados zu erfassen. Dann können sich Betroffene entgegen der Zugrichtung bewegen. Ein Sicherheitsabstand von einem Kilometer zu einem Tornado reicht normalerweise aus.

Wieviel Schutz bietet das Auto?

Viele Menschen glauben, dass es bei einem Tornado ähnliche Verhaltensregeln gelten wir bei einem schweren Gewitter. Aber es gibt gravierende Unterschiede. Wird man von einem Tornado überrascht, dann bietet ein Auto - ganz anders als bei Gewittern - nahezu keinen Schutz. Bei einem Gewitter dient das Fahrzeug als Faraday’scher Käfig.  Bei einem schweren Tornado jedoch können Autos problemlos dutzende Meter in die Höhe gehoben werden. Bei kleineren Tornados kann ein fahrendes Auto zudem von der Straße geweht werden.

Auf gar keinen Fall sollte mit einem Auto unter Brücken oder Unterführungen gehalten werden, empfiehlt die US-Wetterbehörde. Schwere Tornados, wie sie in den USA auftreten, können dazu führen, dass auch stabil erscheinende Brücken einstürzen. Auch wenn diese schweren Tornados wie in den USA in Deutschland nicht auftreten, gibt es diese kleinräumigen Wirbelstürme hierzulande öfter als gedacht. Der Europäische Wetterdienst (ESWD) geht nach Angaben des Rückversicherers Munich Re von 20 bis 60 Ereignissen pro Jahr für Deutschland aus, für ganz Europa weiß man gesichert von 300 - 400 Tornados. Durch aufgewirbeltem Staub kann die Sicht bei einem derartigen Wetterereignis binnen kurzer Zeit so stark eingeschränkt sein, dass eine sichere Weiterfahrt nicht mehr möglich ist. Hier gilt es, wie bei dichtem Nebel oder einem Schneesturm das Fahrzeug zügig abzubremsen und zum Halten zu bringen.

Sicherheit suchen in Gebäuden oder im freien Feld

Um nicht von herumwirbelnden Trümmern getroffen zu werden, sollte man nach Möglichkeit Kellerräume und massive Steinhäuser aufzusuchen, sowie sich von Fenstern und Türen fernhalten. Wenn keine stabilen Fluchtgebäude in der Nähe sind und es nicht möglich ist, dem Tornado auszuweichen, hilft es, sich flach auf den Boden zu legen. Noch besser ist es, sich in eine Grube, in eine Mulde oder in einen Graben zu flüchten, so empfehlen amerikanische Experten (NOAA). Dort gilt es so lange auszuharren, bis man wirklich sicher sein kann, dass der Tornado vorübergezogen ist. Die Dauer eines Tornados liegt zwischen einigen Sekunden und bis zu einer Stunde, wobei die meisten Tornados circa 10 Minuten andauern (Hamburger Bildungsserver). Mit etwas Glück ziehen schwächere Tornados über einen hinweg, und auch die Wahrscheinlichkeit von aufgewirbelten Gegenständen getroffen zu werden sinkt. Vielleicht gibt es auch eine Schlucht in der Nähe, die man aufsuchen kann. Auch dies sind relativ sichere Orte.

Allerdings ist im Zusammenhängen mit Tornados auch die Gefährdung durch Starkregen nicht gering. Die Empfehlung, sich in eine Grube oder eine Schlucht zu legen, ist somit von den Gegebenheiten abhängig. Dadurch kann man sich zwar etwas vor den extremen Windgeschwindigkeiten schützen, aber sich - aufgrund der gewaltigen Niederschlagsmenge - plötzlich mit Wasser füllende Gräben, Schluchten, Mulden oder Keller (in Deutschland ein besonders häufiges Risiko) sind genauso gefährlich wie die hohen Windgeschwindigkeiten.

Tornados in den USA

Circa 1.200 Tornados werden jedes Jahr in den USA gezählt. Bis zu eineinhalb Kilometer können sie breit sein und eine Strecke von über 80 Kilometern am Boden zurücklegen. Tornados rotieren noch schneller als Hurrikans und erreichen Geschwindigkeiten von mehr als 320 Kilometern pro Stunde. Der DWD berichtet von bereits gemessenen Maximalgeschwindigkeiten von über 500 Kilometer pro Stunde. Oft begleiten Tornados Wirbelstürme.

Tornados in den USA bewegen sich im Durchschnitt mit 48 km/h (30 mph) vorwärts. Die Bandbreite ist jedoch erheblich: Vom stationären Verweilen bis zu Geschwindigkeiten von 110 km/h ist alles möglich. 88 Prozent aller Tornados sind schwach. Sie dauern nur ein bis zehn Minuten und erreichen Windgeschwindigkeiten bis 177 km/h (110 mph). Starke Tornados machen lediglich ein Prozent der Tornados aus, sind aber für 70 Prozent der Toten verantwortlich. Sie dauern bis zu einer Stunde an und erreichen Windgeschwindigkeiten von über 267km/h (166mph).

Tornados können zu jeder Tages- und Nachtzeit auftreten und sich auch zu jeder Jahreszeit formieren. Im Südosten der USA und den Central Plains, zwischen den beiden Flüssen Arkansas und Platte, sind sie besonders häufig. Trocken-kalte Luft trifft hier häufig auf feucht-warme Luft aus dem Golf von Mexiko. Bisher traten jedoch in allen amerikanischen Bundesstaaten Tornados auf. Ein Irrglaube ist, dass Gebirgsgegenden vor Tornados sicher sind. Fakt ist jedoch: Tornados sind in den USA überall möglich. Ein Tornado in der Nähe des berühmten Yellowstone Nationalparks hinterließ beispielsweise in 2.600-3.000 Metern Höhe eine Spur der Verwüstung. Auch wenn in den USA von einer 'Tornado-Saison' gesprochen wird, gibt es diese de facto nicht. Eine Häufung von Tornados ist zwar Ende Mai, Anfang Juni für die Southern Plains sowie im Juni und Juli für die Northern Plains zu beobachten, aber in den anderen Monaten sind Tornados genauso möglich. Es gibt keine 'Tornado-Saison' in dem Sinne, auch wenn der geläufige Begriff dies vermuten lässt.

Rund die Hälfte der Opfer von Tornados in den USA sind Menschen, die in mobilen Eigenheimen (‚mobile homes‘) leben. Die Häuser sind meist nicht ausreichend fest im Boden verankert und daher besonders gefährdet. Untersuchungen zeigen, dass die Menschen trotz Warnung oft viel zu spät ihre Häuser verlassen.

Steigt die Gefahr von Tornados?

Es gibt aktuell keine validen Studien, die belegen, dass die Anzahl von Tornados zunimmt. Sowohl in den USA als auch in Europa sind die Zahlen auftretender Tornados stabil. Tornados sind schwer zu detektieren. Deshalb sind auch für Wissenschaftler die Datensätze, auf die sie zurückgreifen können, mit Unsicherheiten behaftet. Mit den bisherigen Messmethoden kann nur schwer ermittelt werden, ob der Klimawandel zu einer Zunahme von Tornados führen wird. Es gibt Hinweise darauf, dass die Intensität von Gewittern und Stürmen auch in Deutschland und Europa zunimmt. Bei Tornados ist die Blackbox noch relativ groß. Man weiß jedoch, dass Tornados in sehr vielen Regionen der Welt auftreten können, auch hierzulande. Viele Menschen in Deutschland haben schon Tornados gesichtet und beobachtet. Daher ist es gut für diese Naturgefahr sensibilisiert zu sein, denn eine Erkenntnis ist sicher: Tornados kommen zwar häufig überraschend, aber man muss sich nicht in jeder Situation von ihnen überraschen lassen. Wenn man bei Gewitterlagen den Himmel im Blick hat, kann man einem möglichen Tornado ausweichen und am richtigen Ort Schutz suchen.

Und noch ein recht überraschender Fakt zum Abschluss: Neben den USA, sind Argentinien und Bangladesch die Länder, wo am ehesten mit diesem Naturphänomen gerechnet werden darf.

 

Text: ESKP - Jana Kandarr

 

Quellen

  Deutscher Wetterdienst - Friedrich, Andreas: Unberechenbare Naturgewalt. Achtung: Tornado. Broschüre. Link
  National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA): Thunderstorms, Tornados, Lightning Preparedness Guide. Link
  National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) – Nationale Severe Storms Laboratory: Tornados. Link
  Schmidlin T.W. et al (2009): Tornado shelter-seeking behavior and tornado shelter options among mobile home residents in the United States. Natural Hazards February 2009, Volume 48, Issue 2, pp 191–201. Link
  Edwards, Roger - Storm Prediction Center: Frequently Asked Questions about Tornadoes. Link
  DWD Wetterlexikon: Informationen zu Superzellen. Link
  Sirene für Tornadowarnung in den USA. Link

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