Dürre und Hitze und die volkswirtschaftlichen Folgen

Klimaschutz oder Anpassung an sich verändernde Klimabedingungen – wo sind Investitionen sinnvoller? Antworten gibt Klimaökonom Reimund Schwarze.

Im Interview spricht Professor Reimund Schwarze vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig (UFZ) über den derzeit frühen Laubfall bei Bäumen, den Unterschied zwischen Dürre (Trockenheit) und Hitze und ihre volkswirtschaftlichen Probleme, Auswirkungen und Schäden für Deutschland und Polen.

Jede Menge Laub auf den Straßen in Berlin und Potsdam mitten im August. Wie ist die Situation bei Ihnen in Leipzig, Herr Schwarze?

Hier zeigt sich vor allem in den Wäldern ein ähnliches Bild. Die Bäume sind unter Stress und werfen die Blätter ab, um die Verdunstung zu vermindern.

Kann hieraus ein langfristiges Problem werden?

Es ist ein Selbstschutz der Bäume, die sich der gegenwärtigen Situation, also der Hitzeperiode der vergangenen Wochen, anpassen. Ein langfristiges Problem sehe ich hierin nicht.

Hitze und Trockenheit werden gerne in einen Topf geworfen. Allerdings ist es keineswegs das Gleiche und beides hat unterschiedliche Auswirkungen. Welche?

Hitze ist in sich ein Problem, weil neben den hohen Temperaturen eine starke Sonneneinstrahlung auftritt. Es ist allerdings ein kurzfristiges Phänomen mit teilweisen Extremwerten. Tausende Hitzetote wie in Europa im Jahre 2003, der eben der angesprochene Laubfall bei Bäumen oder das Absterben vor allem von Jungbäumen können die Folge sein.

Trockenheit bzw. Dürre sind dagegen im Kern ein Wasserdefizit und werden durch lange Prozesse gesteuert. Eine kurze Trockenperiode ist hierbei nicht ausschlaggebend. Das langjährige Mittel ist die entscheidende Größe und nicht ein kurzer Zeitraum von sagen wir ein oder zwei Monaten. Die Entwarnungen derzeit nach der Hitzeperiode beziehen sich auf die monatlichen Werte. Für das Problem der Wasserknappheit gilt das nicht. Es ist eine Kurzzeitbetrachtung, die die Oberfläche betrifft. Aber die grundsätzliche Wasserknappheit, worüber das UFZ mit dem Dürremonitor berichtet, ist auch eine langfristige Jahresmittelbeobachtung nach der wir immer noch im Dürrebereich liegen. Demnach haben wir eine moderate bis schwere Dürre je nach Region in punkto Wasserknappheit. Auch wenn es jetzt verstärkt regnen sollte, muss hier eine ganze Menge nachkommen. Wir steuern auf ein langfristiges Dürreproblem in Mitteldeutschland zu. Daher haben wir am UFZ den Dürremonitor aufgesetzt.

Sie betrachten die Phänomene und Folgen von Hitze und Dürre nicht aus einer ökosystematischen, sondern aus volkswirtschaftlicher Sicht. Welche ökonomischen Folgen haben Dürre und Hitze?

Die Landwirtschaft und der Tourismus können sich eher an längere Trockenperioden anpassen im Vergleich mit Natur und Infrastrukturen. Dies hat große Auswirkungen auf die Volkswirtschaft. Es besteht die überwiegende Vorstellung unter Ökonomen, dass Anpassung an den Klimawandel etwas Billiges und Einfaches ist. Gerade in Mittel – und Nordeuropa, wo der Klimawandel moderater ausfällt als bspw. in Afrika. Diese Einschätzung wird aber aus meiner Sicht von der fehlenden Berücksichtigung der Schäden an Infrastrukturen und der Natur in Studien getragen. Die überwiegenden Kosten werden nicht in der Landwirtschaft entstehen, da sich diese leichter anpassen kann. Nehmen Sie derzeit den Roggen, bei dessen Ernte gibt es zwar wegen der Trockenheit Probleme, aber beim Winterweizen verzeichnen wir dagegen Rekordernten, da die Hitzewelle hier in die Trockenzeit des Getreides fällt.

In der Landwirtschaft haben wir aus meiner Sicht eher eine Gewinner- und Verlierersituation. Manche Früchte kommen gut durch, andere haben dagegen Probleme. Es kommt immer darauf an, zu welchem Zeitpunkt im Wachstumsprozess eine Dürre einsetzt und welche Ackerpflanzen eingesetzt werden. Entsprechend gut ist die Landwirtschaft in der Sortenwahl in ihren Anpassungsoptionen für zunehmende Episoden dieser Art im Klimawandel aufgestellt.

Können Sie Beispiele nennen, wie und wo dagegen die Infrastruktur betroffen ist?

Einerseits die Flussschifffahrt, die wegen Niedrigwasser bei Trockenheit teils eingestellt werden muss. Das Hauptproblem sind aber die Brücken und andere Wasserbauten, die unter dem Niedrigwasser leiden. Wenn die Fundamente nicht durchwässert sind, trocknen sie aus und verlieren ihre Standfestigkeit. Entsprechend müssen sie stärker ausgelegt werden. In der Schweiz sind zudem die Löschwasserbecken für den Waldschutz ausgetrocknet. Allein für die Auffüllung dieser Becken durch Transporthubschrauber musste ein Kanton wenig größer als das Saarland, in zehn Tagen rund 500.000 Schweizer Franken für die 110 Flugstunden aufbringen. Solche infrastrukturellen Kosten wurden noch in keiner mir bekannten Studie berücksichtigt.

Und welche kostenintensiven Probleme bringt die Hitze?

Die Solareinstrahlung war zuletzt sehr stark. Prinzipiell eine gute Sache für viele Sonnenhungrige. Allerdings brauchte man für das plötzlich vorhandene Überangebot an Solarenergie Möglichkeiten, diese kurzfristig abzuspeichern. Das Unternehmen 50 Hertz musste an den Hitzetagen allein 2,5 Mio. Euro täglich aufbringen, um diese zusätzliche Energie loszuwerden bzw. in vorwiegend ausländischen Speichern unterzubringen. Hier sind für die Zukunft dringend Netzausbaumaßnahmen nötig. Auch solche Größen wurden in Studien noch nicht betrachtet.

Welche Schlüsse ziehen Sie?

In bisherigen Studien zu den Folgen des Klimawandels wurden Kosten, die in den Energie- und Wasserinfrastrukturen aufgrund von Dürre oder Hitze entstehen, nicht berücksichtigt bzw. quantifiziert. Eingang fanden dagegen vorwiegend Kosten aus dem landwirtschaftlichen Bereich und dem Tourismus. Wir betrachten also bisher nur ein Teilproblem und wissen derzeit noch viel zu wenig über die Anpassungskosten an den Klimawandel. Sie werden nach meiner Einschätzung viel höher sein als bisher in den Studien geschätzt wurde.

Was können wir aus der derzeitigen Hitzeperiode lernen?

Hitzeperioden und extreme Trockenheitssituation werden mit dem Klimawandel auch in Deutschland zunehmen. Eine Hitzewelle wie in diesem Sommer wäre im letzten Jahrhundert ein "Einmalerlebnis" gewesen, jetzt erleben wir sie nahezu alle 15 Jahre. Und die Folgen werden extremer, da die Infrastrukturen keineswegs weniger verletzlich sind als damals, sondern mit der Verstädterung und dem Bedeutungsverlust der Landwirtschaft empfindlicher auf Hitze und anhaltende Trockenheit reagieren. Schauen Sie auf Polen: Dort mussten jetzt für mehrere Wochen industrielle Verbraucher vom Stromnetz genommen werden, weil die Kraftwerkskühlung wegen Niedrigwasser in den Flüssen nicht mehr funktionierte. Wir lernen durch die aktuellen Episoden also Stück für Stück was auf uns zukommt, wenn wir uns auf Anpassung einstellen anstatt in Klimaschutz zu investieren.

Das Interview führte Karl Dzuba, Wissensplattform Erde und Umwelt

Linktipps

 Der Dürremonitor vom UFZ zeigt die aktuelle Trockensituation in Deutschland.
 Reimund Schwarze bloggt auf Scilogs zum Thema Umweltforschung.
 helmholtz.de - Erde und Umwelt: Wie Bäume Wasser sparen

Text, Fotos und Grafiken soweit nicht andere Lizenzen betroffen: eskp.de | CC BY 4.0
eskp.de | Earth System Knowledge Platform – die Wissensplattform des Forschungsbereichs Erde und Umwelt der Helmholtz-Gemeinschaft

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